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Plötzlicher Herztod

Erneuter Fall und dessen Konsequenzen

Abdelhak Nouri (r) & Lasse Schone - Foto: © pixathlon.de

Der plötzliche Herztod beim Spiel wird den Fußball auch in dieser Saison begleiten. Die sportärztezeitung berichtete bereits mehrfach darüber und trotzdem ist jeder neue Fall, jedes Einzelschicksal, ein erneuter Schock.

In dieser Saison hat das Schicksal bereits früh zugeschlagen. Am 08.07.2017 bei einem Testspiel zwischen Ajax Amsterdam und Werder Bremen im österreichischen Hippach brach der 20-jährige Ajax Spieler Abdelhak Nouri in der 72. Minute ohne Fremdeinwirkung leblos zusammen. Ein Ersthelfer, ein ehrenamtlicher Rettungssanitäter, brachte den Spieler in eine stabile Seitenlage und sicherte die Atemwege, bis das Rettungsteam eintraf. Die konnten dann schließlich mit Hilfe eines Defibrillators und mittels Herz-Lungen-Wiederbelegung einen stabilen Kreislauf wiederherstellen. Der Spieler wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum nach Innsbruck verlegt. Zunächst wurde er weiter tief sediert und es wurde eine therapeutische Hypothermiebehandlung durchgeführt. Bereits rasch wurde klar, dass der Spieler das Ereignis kardial ohne größere Schäden überleben wird. Nach einigen Tagen wurden jedoch im Rahmen der Aufwachphase irreversible Hirnschäden festgestellt. Die Sauerstoffschuld des Gehirns war zu groß.

Offene Fragen und Konsequenzen

Rasch werden erste Fragen laut, weshalb ein solches Ereignis nur wenige Tage nach dem Medical Check auftreten kann. Es war jedoch schon immer klar, dass ein Medical Check niemals endgültige Sicherheit geben kann. Fest steht, dass Abdelhak Nouri schon länger auf professionellem Niveau spielte und seine komplette Ausbildung seit 2004 bei Ajax Amsterdam absolvierte. Er durchlief alle Jugendnationalmannschaften der Niederlande und nahm an mehreren internationalen Turnieren teil. In dieser Zeit sind mehrere Untersuchungen auf strukturelle Herzerkrankungen durchgeführt worden. Warum war kein automatisierter externer Defibrillator (AED) vor Ort? Außer für englische Mannschaften der Premier League ist dies bisher nicht bei Testspielen im Profifußball vorgeschrieben. Dennoch ist bekannt, dass eine wichtige Determinante für ein positives Outcome eine möglichst kurze Zeit bis zum ersten Schock durch Defibrillator oder AED ist. Tatsache ist, dass ein Ersthelfer sofort Maßnahmen eingeleitet hat und dass reagiert wurde. Auf jeden Fall unterstreicht dieser Fall, dass man immer vorbereitet sein muss. Solche Fälle werden uns auch leider weiterhin in dieser Saison begleiten. Durch medizinisches Screening wird sich die Anzahl vermutlich reduzieren, trotzdem muss weiter ein Fokus auf eine adäquate Ausbildung des Funktionsteams, besser noch der Mannschaft gelegt werden. Es gibt Mannschaften, die ein Ersthelfertraining in ihre teambildenden Maßnahmen in der Vor­bereitung einbauen. Bei vielen Mannschaften gehört der AED am Spielfeldrand zur Stand­ardausstattung unabhängig davon, ob es um Punkte im Wettbewerb oder nur um Spielpraxis geht. Eine Schulung in BLS (Basic Life Support) mit Nutzung des AED wird von vielen Organisationen angeboten. Die kürzesten Kurse dauern nur eine Stunde. Der Standard sind Kurse, die vom ERC (European Council of Rescucitation) zertifiziert wurden. Wer sein Wissen weiter vertiefen möchte kann noch ILS (Immediate Life Support) oder ALS (Advanced Life Support) oder Kurse zu speziellen Situationen wie z. B. Kinderreanimation besuchen.

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Der Autor

PD Dr. med. Felix Post, Kardiologie Katholisches Klinikum Koblenz-Montabaur

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Herz-Kreis­lauf-Stillstand:
Laienreanimation verbessert Kurz- und Langzeitüberleben

Mehr als 70.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. Wenn Anwesende unverzüglich mit einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, verbessern sich die Überlebenschancen der Betroffenen erheblich. „Aktuelle Daten des Deutschen Reanimationsregisters bestätigen, dass die Laienreanimation ein Erfolgsfaktor für das Kurz- und Langzeitüberleben sowie eine gute neurologische Erholung ist“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Da der Rettungsdienst selten innerhalb von acht Minuten beim Patienten sein könne, komme der Laienreanimation eine sehr hohe Bedeutung zu.

Quelle: www.aerzteblatt.de (03.05.2017)

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