Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

HRV, EKG und Stress des Sportlers

Aktuelles aus der Sportkardiologie

Mit einem kleinen Gerät Aussagen zur Belastung im Alltag? Zur Schlafhygiene? Zu Übertraining? Geht das? Was bedeutet eigentlich HRV? Auf diese Fragen möchten wir im Folgenden eine Antwort suchen und hoffentlich finden.

Abb. 1: HRV beim Gesunden und bei Zustand nach Herztransplantation
Bei der Herzratenvariabilität, kurz HRV, handelt es sich um einen Kenngröße für die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus an exogene und endogene Belastungen. Sie kennzeichnet die Schwankungen der Herzfrequenz über einen definierten Zeitraum (Kurzzeitmessung 10 min, 12 h/24 h Messung, 3/7 Tage Messung). Sie beschreibt außerdem die Fähigkeit des Herzens, den zeitlichen Abstand von Herzschlag zu Herzschlag belastungsabhängig zu verändern. Die HRV ist abhängig von der Aktivität des Parasympathikus. Die Ratio HF/HRV ein Marker für die Balance von Sympathikus und Parasympathikus. Am Beispiel eines transplantierten Herzens kann man dies anschaulicher erklären. Bei einem transplantierten Herz sind die Verbindungen zum autonomen Nervensystem nicht mehr vorhanden. Es weist somit eine starre Herzfrequenz von ca. 99 bpm auf, da es vollkommen losgelöst vom autonomen Nervensystem arbeitet (Abb. 1).

Vor allem die Korrelation der HRV mit der ­aeroben Fitness, mit Erschöpfung und Übertraining sowie mit der Performance ist für Sportler interessant, jedoch konnte bereits ebenso ein Zusammenhang mit dem Risiko eines plötz­lichen Herztodes, der Insulinsensitivität und der Inflammation nachgewiesen werden. Jedoch müssen Einflussfaktoren, wie Alter, Geschlecht, Nahrungsaufnahme und Medikamente mit in die Auswertung aufgenommen werden.

Pathologie 1

Aufgrund eines in den vergangenen Monaten aufgetretenen Leistungsknicks stellt sich ein 32 jähriger, kardial gesunder Sportler vor. Fragen nach Alkohol, Medikamenten oder Änderungen des Trainingsumfanges werden verneint. In der durchgeführten 24 h Messung zeigt sich in der EKG-Analytik vor allem nachts gehäufte supraventrikuläre Extrasystolen (SVES, Abb. 2). In der Schlafanalytik konnte im Rahmen der SVES eine respiratorische Pause nachgewiesen werden (Abb. 3). Betrachtet man abschließend das HRV-Spektrogramm sowie den Herzfrequenzverlauf (Abb. 4) zeigt sich einerseits im HF Verlauf angedeutet in der Zeit von 23 bis 7 Uhr einen wannenförmigen Abfall der HF als Zeichen der Schlafphase. Andereseits sieht man im HRV Spektrogramm keinerlei parasympathische Aktivität während der Ruhezeit als Zeichen einer unzureichenden Herzratenvariabilität. Und auch am Tag zeigt sich relativ wenig Aktivität im low frequency Bereich bereits als Hinweis für eine unzureichenden vagale Modulation.

Abb. 2: Arrhythmieübersicht
Abb. 3: Schlafanalyse
Abb. 4: HRV Spektrogramm
Abb. 5: LZ-EKG-Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich die Auswertung mit einer unzureichenden nächtlichen Erholung, verminderten REM-­Phasen sowie einer unzureichenden parasympathikotonen Aktivität beschreiben. Aufgrund nächtlichen Schnarchens erfolgte anschließend eine Vorstellung in der HNO. Hier zeigte sich eine Pathologie, so dass dem Patienten zu einer Gaumensegelraffung und Uvulaverkürzung geraten wurde.

Pathologie 2

Abb. 6: HRV Spektrogramm
Ein 21jähriger Fußballer, welcher im Sommer einen Vereinwechsel vollzogen hat, stellt sich mit rezidivierenden Infekten und konsekutiver Schwäche vor. Laborchemisch zeigte sich eine abgelaufene EBV-Infektion, wobei der Zeitraum der akuten Erkrankung nicht zu eruieren ist. Relevante Vorerkrankungen bestehen nicht. In der LZ-EKG-Auswertung konnten in 24 h ca. 100 ventrikuläre Extrasystolen nachgewiesen werden. Dies ist nicht als Pathologie zu werten. Im HF-Verlauf zeigt sich eine wannenförmige Absenkung zur Nacht, jedoch dauert diese mit fünf Stunden nur relativ kurz an. In der HRV-Spektrographie ist eine abgeschwächte parasympathische Aktivität vorhanden.

Zusammenfassend kann man hier beschreiben, dass sich eine verkürzte Schlafphase sowie eine Verhältnis Sympathikus – Parasympathikus zu Lasten des Sympathikus vorfindet und man somit insgesamt von einer unzureichenden Erholung sprechen kann. Wir haben eine Anpassung der Schlafhygiene sowie das Erlernen einer Entspannungstechnik empfohlen, worunter es zu einer deutlichen Besserung der Infekte sowie des Allgemeinbefindens kam.

Fazit

Perspektivisch kann ergänzend zu anderen Methoden mittels HRV eine bessere Steuerung der Regeneration bzw. Früherkennung von Übertraining erfolgen. Möglicherweise gibt sie uns frühzeitig Hinweise auf Verletzungs-/Infekt­anfälligkeit. Der Einfluss von psychischem Stress (Transferperiode, Partnerschaft, falsche Zielsetzungen, Depres­sion) sowie physikalischer Belastungen (insbesondere Lärm) kann erkannt und dem Betroffenen visualisiert werden. Ein Einsatz in Kombination mit der Ernährungsberatung ist vorstellbar. Jedoch ist aus Autorensicht darauf zu achten, dass die HRV-Messung als ergänzende und nicht als alleinige Diagnostik angewandt wird.

Zurück

Die Autorin

Foto: © Peter Pulkowski

Dr. med. Kathrin Stelzer ist Fachärztin für Innere Medizin, Zusatzbezeichnung Sport- und Notfallmedizin. Sie ist Funktionsoberärztin Sportmedizin am Zentrum für Kardio­logie, Universitätsmedizin Mainz. Außerdem ist sie Teamärztin des 1. FSV Mainz 05.

Print + Download

Zurück