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Verletzungen in der Reha

Richtlinien, Erfahrungen und Leitfaden

Training der dorsalen Kette
Verbesserung der Beweglichkeit

Das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) vom 1. FSV Mainz 05 bedient sich dem Kompetenzmodell des Klientenmanagements für die Darlegung seiner Richtlinien für die Wiedereingliederung seiner Sportler in die sportartspezifische Belastung. Das bedeutet, dass eine enge Interaktion zwischen Sportphysiotherapeut und Sportler im Zentrum dieses sportartspezifischen Prozesses steht.

Die sportlerzentrierte Therapie bildet die Grundlage einer professionellen sportartspezifischen Behandlung. Durch den kontinuierlichen Dialog mit dem Sportler und der medizinischen Abteilung, bestehend aus Sportphysiotherapeut, Arzt, Rehabilitationstrainer und Athletiktrainer, wird sichergestellt, dass zu jeder Zeit der Gesundheitszustand des Sportlers eruiert wird, sodass das Leistungsvermögen ständig den momentanen Gegebenheiten im rehabilitativen Ablauf angepasst und optimiert werden kann. Bei der Betreuung unserer Sportler durch das disziplinübergreifende Team ist im Vorfeld klar, wer während der Entstehung einer akuten Verletzung für welchen Bereich verantwortlich ist und wie die Kommunikationswege zu verlaufen haben. Der Sportphysiotherapeut ist die erste Person, die nahe am Geschehen ist. Durch schnelle Kontaktaufnahme mit dem Sportler und der Bestimmung der weiteren Spielfähigkeit kann eine fundierte Entscheidung für den verletzten Sportler getroffen werden. Die weiteren diagnostischen Maßnahmen werden über die Ärzte eingeleitet. Zuerst geht es um die Durchführung einer professionellen sportartspezifischen Untersuchung. Das Ziel dieser Untersuchung ist, zusammen mit dem verletzten Sportler eine Ist-Analyse aus einer biopsychosozialen Perspektive zu erstellen. Die sportartspezifische Diagnose des Arztes dient als Grundlage für die Erstellung eines Behandlungsplans, welcher kurz-, mittel-, und langfristige Ziele beinhaltet. Folgende Schlüsselpunkte werden skizziert:

  • Reduktion der Störungen
  • Reduktion der negativen persönlichen Faktoren des Sportlers
  • Optimierung der Wundheilungsphasen
  • Optimierung der motorischen Grundeigenschaften
  • Stimulation positiver Faktoren, welche die Leistungsfähigkeit des Sportlers beeinflussen

Nach der Entstehung eines Traumas wird der Sportler mit seiner Belastungssituation konfrontiert. Durch die Verletzung sind die Voraussetzungen für die verschiedenen motorischen Grundeigenschaften (Mobilität, Stabilität, Koordination, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer) begrenzt vorhanden. In Folge dessen führt diese zeitlich begrenzte Einschränkung zur Reduzierung der Sportpartizipation.

Aktive Interventionen

Sensomotorisches-kognitives Training
Dem Rehabilitationstrainer stehen aktive Interventionen zur Verfügung, um die funktionellen Möglichkeiten des Sportlers zu verbessern und somit letztendlich die gewünschte Sportpartizipation zu erreichen. Während des kompletten Behandlungsprozesses wird der Sportler ständig über den weiteren Verlauf vom interdisziplinären Team in Kenntnis gesetzt und dementsprechend beraten. Während der Rehabilitation wendet sowohl der Sportphysiotherapeut als auch der Rehabilitationstrainer den Qualitätszyklus (Planen-Durchführen-Überprüfen-Handeln) zielgerichtet durch. Diese Evaluationsmomente sind als Meilensteine auf dem Weg zum „return to aktion“ zu verstehen. Sie geben genauste Auskunft über die momentane Genesung des Sportlers. Darüber hinaus verwenden wir zur Eruierung der Belastbarkeit der verletzen Struktur die Thermomessung mithilfe standardisierten Infrarotmessungen. Wie gegenwärtige Studien zeigen, ist ein hyperthermisches Gewebe nicht belastungsstabil und somit nicht bereit für superkompensatorische Reize. Ebenfalls bedienen wir uns der pH-Wertbestimmung. Auch hier weisen Studien daraufhin, dass in einem „sauren Milieu“ die Möglichkeit einer optimalen Regeneration reduziert ablaufen kann.

Der letzte Bereich im rehabilitativen Prozess ist die Leistungssteigerung hin zu sportartspezifischen Ausbelastung, die mit der ärztlichen Freigabe endet. Der große Unterschied zu den vorangegangen rehabilitativen Maßnahmen ist, dass Verletzungen ab diesem Zeitpunkt keine Rolle mehr spielen. Der Sportler ist genesen und soll nun eine sportartspezifische Leistungsfähigkeit erlangen. Für die Optimierung der sportlichen Leistungsfähigkeit bedienen wird uns den Methoden der Trainingswissenschaften und modifiziert die trainingswissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten für jeden Spieler.  Die Belastung des Sportlers äußert sich lediglich durch das Training der physischen Parameter: die motorischen Grundeigenschaften kombiniert mit fußballspezifischen Skills. Um die Leistungsfähigkeit des Sportlers zu steigern und für den fußballspezifischen Raum übertragbar zu machen, sind die physischen Parameter lediglich ein kleiner Aspekt. Mentale und soziale Parameter, der Lebensstil des Sportlers (Ernährung, Schlafqualität) und der Einfluss seines sozialen Umfeldes sind gleichwertige Aspekte, die genauso wichtig sind, um eine optimale Leistungsfähigkeit zu ermöglichen. Uns geht es vor allem um eine Optimierung der Leistung jedes Spielers. Das langfristige Ziel sollte sein, den Spieler bestmögliche Verletzungsfreiheit über die Saison zu gewährleisten und eine Optimierung der Bewegungsfunktion zu erarbeiten.

Leistungsoptimierung statt Leistungsmaximierung

Insbesondere im Nachwuchsleistungszentrum sollte die Zielsetzung nicht auf Leistungsmaximierung, sondern auf Leistungsoptimierung hinauslaufen. Optimierung bedeutet in diesem Kontext die Verhinderung von Verletzungen, die Wiederherstellung von Bewegungsfunktion sowie dessen Erweiterung und letztendlich die Integration der Leistungsoptimierung in die sportliche Aktion. Nichts ist ineffizienter als der mangelnde Transfer der Regenerationsleistungen in die sportliche Aktion. Die genau Beobachtung, Analyse und die daraus resultierende Bewertung der sportlichen Aktion sind unabdingbar, um eine optimale Regeneration einzuleiten. Das Jungtalent wird nicht während der sportlichen Belastung seine Leistung steigern, sondern die Leistungsoptimierung beginnt in der Erholung. Aus diesem Grund fokussiere ich in meiner Arbeit primär die Optimierung der Regenerationsfähigkeit der Jungtalente, als mich um ihre Leistungsmaximierung zu widmen. Darüber hinaus muss die schulische Belastung mit in die Regenerationsperiodisierung einfließen. Ferner sollte der athletische Bereich die Belastungsnormative dahingegen anpassen, denn ohne optimale kognitive Bereitschaft der Verarbeitung von Bewegungsabläufen ist eine Leistungsverbesserung kaum möglich. Im Zentrum meines täglichen Denkens und Handelns liegt das Verständnis und die Sensibilität für die Bedeutung der Korrelation von Verletzung und reduziertem Regenerationsmanagement und deren Folgen für das jugendliche Talent in seiner Ausbildung als Fußballer.

Beispiel Schlaf

Um an einem Beispiel die Notwendigkeit einer optimalen Regeneration ersichtlich zu machen, sollte in diesem Kontext der Schlaf genannt werden. Der Mensch regeneriert aufgrund hormoneller Response während er schläft. Ist jedoch der Schlaf unproduktiv, startet der Mensch mit einer reduzierten Leistungsfähigkeit in den nächsten Tag. Die Leistung, die er an diesem Tag erbringen muss ist höher als die im Schlaf erworbene Energie. Am Ende des Tages ist der Mensch überlastet und müsste länger schlafen als am Tag vorher. Es kommt zum „pseudoregenerativen Prozess“. Daraus folgt, dass ich mir nicht nur ein Bild über die gegenwärtige Verletzung machen muss, sondern viel wichtiger auch über die Umstände des Entstehens und der Vermeidung.

Fazit

In diesem Kontext ist ersichtlich, dass die meisten Verletzungen nicht aus mangelnder athletischen sportartspezifischen Fähigkeiten resultieren, sondern aus einer Summation von schulischen-kognitiven und von fußballerischen-physischen Faktoren impliziert sind und somit langfristig eine Überlastung des physischen-psychischen Systems darstellen. Zukünftig sollte gerade in der Arbeit mit jugendlichen Talenten die regenerativen Prozesse mehr in den Fokus gesetzt werden.

 

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Der Autor

Marcus Schmidt ist Physiotherapeut (DOSB-Sportphysiotherapeut), Osteopath, Diplom Sportwissenschaftler und Heilpraktiker. Er arbeitet als Rehabili­tationstrainer beim 1. FSV Mainz 05 und hat außerdem die Fitness A-Lizenz. Weitere Quali­fikationen: Athletiktrainer (NSCA, DAASM), I.A.S und ESP Sportphysio­therapeut, DVGS Sporttherapeut, Ernährungsberater (SPT, I.A.S) sowie Psycho-Neuro-Immuno­logie-Therapeut.

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