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Sprunggelenks-Orthesen

Ein sinnvolles Präventions-Tool im Training?

Abb. 1: Als Rezidivprophylaxe sollte nach einer Sprunggelenksverletzung für ein Jahr eine geeignete Bandage als Schutz getragen werden.
Von der Industrie werden Sprunggelenks-Orthesen als zwingend notwendig für die Prophylaxe von Sprunggelenksverletzungen propagiert. Die Sportler hingegen äußern häufig Ängste, dass sie durch Tragen der Orthesen Muskulatur abbauen würden und man sich zu sehr an das Hilfsmittel „gewöhne“. Zudem stellt sich die Frage, ob es durch die Orthesen zu einer größeren Einschränkung der Leistungsfähigkeit kommt. Dr. Christoph Lukas zeigt, wie die Balance zwischen notwendigem Schutz und bestmöglicher Leistung gefunden werden kann.

Die Distorsion des oberen Sprunggelenkes ist mit Abstand die häufigste Sportverletzung, insbesondere im Basketball werden Inzidenzen von 30 – 56 % berichtet. Prävention ist also dringend erforderlich, insbesondere, da die OSG Distorsion bei Leibe keine Bagatellverletzung darstellt. Ca. 30 % der Patienten leiden unter Restbeschwerden und die bereits erlittene Sprunggelenksverletzung ist der größte Risikofaktor für ein Rezidiv. Bis zu 80 % der Patienten erleiden innerhalb eines Jahres ein erneutes Sprunggelenkstrauma. Ein Zusammenhang zwischen dem initialen Verletzungsausmaß und dem Rezidivrisiko lässt sich allerdings nicht nachweisen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass auch leichte Verletzungen nicht bagatellisiert werden sollten.

Therapie der Wahl

Die operative Bandnaht war bis ca. 1990 therapeutischer Goldstandard. Zwischenzeitlich hat sich die frühfunktionelle Behandlung als gleichwertig und kostengünstiger erwiesen, so dass diese aktuell die Therapie der Wahl ist. Idealerweise wird bereits am Unfallort nach dem PECH-Schema behandelt, um die eintretende Schwellung möglichst gering zu halten. Im nächsten Schritt ist die gründliche Untersuchung und adäquate bildgebende Diagnostik erforderlich. Zum einen, um das genaue Verletzungsausmaß beurteilen zu können, zum anderen aber auch, um die durchaus häufigen Begleitverletzungen zu erkennen.

Die weitere Therapie erfolgt angelehnt an die biologischen Heilungsphasen. In der Akutphase (0 – 3 Tage) geht es vor allem darum, die Schwellung ab zu bauen. Neben dem Fortführen des PECH-Schemas ist Lymphdrainage empfehlenswert, bei Bedarf kann an Unterarmgehstützen entlastet werden. Zudem sollte eine geeignete Orthese getragen werden. In der Proliferationsphase (4 – 28 Tage) sollen die volle Mobilität des Gelenks und ein normales Gangbild wiederhergestellt werden. Zudem soll über propriozeptives Training die für die volle Belastbarkeit und für die Rückkehr zum Sport erforderliche Koordination wiederhergestellt werden. Um im Rahmen des Trainings in dieser Phase ein Rezidiv zu vermeiden, sollte, je nach Beanspruchung, gegebenenfalls eine Orthese getragen werden. Zum Erhalt der Grundlagenausdauer können parallel alternative Methoden des Ausdauertrainings z. B. auf dem Fahrrad oder im Schwimmbad durchgeführt werden. In der dritten Phase (4 – 12 Wochen) geht es darum, die volle Sportfähigkeit wiederherzustellen. Hierzu müssen die dynamische Stabilität, die Athletik und die basketballspezifische Belastungsfähigkeit wiederhergestellt werden.

Reduktion der Verletzungshäufigkeit

Abb. 2: Propriozeptives Training ist erforderlich, um nach einer Verletzung das sportartspezifische Anforderungsprofil, insbesondere im Basketball, wieder erfüllen zu können.
Prävention im Training heißt, die externen und internen Risikofaktoren weitestmöglich zu reduzieren. Im Folgenden soll darauf eingegangen werden, inwieweit eine Reduktion der Verletzungshäufigkeit durch propriozeptives Training, Tape bzw. Orthesen möglich ist.

Propriozeptives Training ist insbesondere in der sekundären und tertiären Prävention bei Risikosportarten, wie dem Basketball, effektiv. Wurde bisher noch keine Sprunggelenksverletzung erlitten, sind die Effekte weniger deutlich. Eine Erklärung hierfür ist, dass es durch die Verletzung zu Defiziten im propriozeptiven Bereich kommt, die durch das Training wieder ausgeglichen werden. Alternativ könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass die verletzten Sportler von vornherein schlechtere propriozeptives Fähigkeiten besitzen und daher durch das Training erst auf „Normalniveau“ gebracht werden müssen. Die Reduktion des Verletzungsrisikos liegt je nach untersuchtem Programm zwischen 36 und 50 %. Ein Unterschied zwischen angeleitetem Üben und Durchführen eines Heimprogrammes ließ sich nicht nachweisen. Bezüglich des geführten Programmes ist es wichtig, dass auch unter Vor ermüdung, unter Dynamik und basketballspezifisch trainiert wird. Um Effekte zu erzielen, sollte mindestens zweimal pro Woche mindestens 10 Minuten geübt werden.

Tape-Verbände können das Risiko um ca. 50 % reduzieren, die Behandlung birgt jedoch einige Probleme. Die Verbände verlieren rasch an Steifigkeit und müssten optimaler Weise alle 30 Minuten erneuert werden. Für ein komplettes Basketballspiel wären demzufolge zwei bis drei Tape verbände erforderlich. Bei 59 % der Patienten konnten Komplikationen wie Druckstellen, Allergien oder Hautirritationen beobachtet werden. Zudem liegen die entstehenden Kosten ca. dreimal höher als bei einer Präventivbehandlung mit Orthese.

Wirkung und Einsatz von Orthesen

Die Wirkung von Orthesen im Training besteht in einer gewissen Entlastung, Führung und Stabilisierung des Gelenkes bis hin, je nach verwendeter Orthese, zur Immobilisation. Mit Kompressionsbandagen kann auch eine rheologische Wirkung erzielt werden, ein ensomotorischer Effekt konnte ebenfalls gezeigt werden. Bereits 1999 hatten 124 verschiedene Modelle eine Heilmittel-Nummer, bis heute ist diese Anzahl sicher nicht geringer geworden. Die Orthesen/Bandagen lassen sich grob in Kompressionsbandagen, Funktionssicherungsbandagen und Stabilisierungsbandagen einteilen. Für den Athleten bzw. seinen Arzt gilt es ein Modell zu finden, das einen adäquaten Kompromiss zwischen Schutz und Funktionserhalt darstellt.

Abb. 3: Frische Außenbandverletzung vom Vortag. Trotz sofortiger Kompression kam es zu deutlicher Hämatombildung. Diese Schwellung gilt es, primär wieder zu beseitigen.
Orthesen helfen vor allem im Bereich der Sekundär- und Tertiär-Prävention, insbesondere bei Risikosportarten wie Basketball. Das absolute Verletzungsrisiko kann hierbei ca. um die Hälfte reduziert werden. Zusätzlich wird, wenn es doch zu einer Verletzung kommt, das Ausmaß der Schädigung geringer gehalten. Ein Einfluss auf die Rotationsstabilität ließ sich nicht nachweisen. Die Prophylaxe durch eine getragene Orthese schützt effektiver als ein Tapeverband und ebenfalls effektiver als alleiniges propriozeptives Training. Da es im ersten Jahr nach einer Verletzung in bis zu 80 % zu einem Rezidiv kommt, wird für diesen Zeitraum das Tragen einer Orthese beim Sport empfohlen. Die Kehrseite der Medaille, nämlich die Frage, ob es durch getragene Orthesen zu Funktionseinschränkungen kommt, lässt sich nach aktuellem Stand der Literatur nicht eindeutig beantworten. Während zum Teil eine generelle Beeinträchtigung der sportlichen Leistung gefunden wurde, konnte in einer anderen Studie kein relevanter Einfluss auf die basketballspezifischen Fertigkeiten (Laufen, Springen) aufgezeigt werden. Die Einschränkung der Beweglichkeit ist nicht signifikant, bezüglich der Gleichgewichtsfähigkeit konnte im Star Excursion Balance Test keine Einschränkung gefunden werden.

Zuletzt noch ein Wort zu den getragenen Basketballschuhen. Die These: „Ich brauche keine Orthese, da ich hochgeschnittene Schuhe trage!“, lässt sich nicht bestätigen. Ein protektiver Effekt durch High-Top Schuhe ließ sich nicht belegen. Hingegen scheint die Neuwertigkeit der getragenen Schuhe einen Einfluss auf die Verletzungsanfälligkeit zu haben.

Fazit

  • Sprunggelenksorthesen sind insbesondere in der Sekundär- und Tertiärprävention sinnvoll
  • Nach Sprunggelenksverletzungen sollte eine Orthese beim Sport 12 Monate getragen werden
  • Leistungseinbußen durch die Orthese scheinen sich in einem vertretbaren Ausmaß zu bewegen
  • Sensomotorischer Training ist effektiv, auch in Eigenregie
  • Optimal scheint die Kombination von sensomotorischer Training und Orthese zu sein

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Der Autor

Dr. med. Christoph Lukas ist Facharzt für Orthopädie mit den Zusatzbezeichnungen Sportmedizin, Chirotherapie und Akupunktur. Seit 2013 ist er leitender Arzt im Reha-Zentrum Hess (ambulante orthopädische und neurologische Rehabilitation) in Bietigheim-Bissingen. Außerdem ist Dr. Lukas 1. Vorsitzender der Deutschen Basketballärzte e.V. (BasketDocs).

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