Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Zum Artikel

Im Rahmen einer Reform des ambulanten und stationären berufsgenossenschaftlichen Heilverfahrens haben die sogenannten H-Ärzte ihre Zulassung verloren. Die Autoren empfehlen den Erwerb der neuen D-Arzt-Zulassung und begrüßen die Regelung, mit der das Modell „M-Arzt“ (Mannschaftsarzt) ins Leben gerufen wurde.

Zurück

Das neue Mannschaftsarztverfahren

Für die Behandlung von Berufssportlern hat die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft neue Bedingungen aufgestellt. Das Pilotprojekt zur Verbesserung der Heilbehandlung läuft seit 1. Januar

Dr. Rauch im Einsatz als Mannschaftsarzt des Handball-Bundesligisten MT Melsungen
Das berufsgenossenschaftliche Heilverfahren ist zum 1. Januar 2016 geändert worden. Seitdem gilt das neue Mannschaftsarztverfahren für die Behandlung von Berufssportlern. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Das Mannschaftsarztverfahren stellt eine Alternative zur durchgangsärztlichen Behandlung (D-Arzt) dar und sichert die weitere Betreuung der Berufssportler, insbesondere für jene, die von Mannschaftsärzten betreut werden, deren H-Arzt-Zulassung (H-Arzt = an der Heilbehandlung beteiligter Arzt) zum 31. Dezember 2015 gemäß der neuen Regelung ausgelaufen war.

Viele der Orthopäden und Unfallchirurgen, die nicht zum D-Arzt übergeleitet werden konnten, können als sogenannte M-Ärzte ihre Bundesliga-, Regionalliga- und andere Berufssportler weiterhin suffizient berufsgenossenschaftlich betreuen.

Qualitätsverbesserung

Aufgrund von deutlich sinkenden Arbeitsunfallzahlen (im Jahr 2000 über zwei Millionen, 2014 nur noch 1,04 Millionen) hat der Dachverband der Berufsgenossenschaften (DGUV) vor ca. fünf Jahren eine umfassende Reform des gesamten ambulanten und stationären berufsgenossenschaftlichen (bg-lichen) Heilverfahrens umgesetzt. Außer den sinkenden Arbeitsunfallzahlen wurde das Argument einer Qualitätsverbesserung der ambulanten und stationären bg-lichen Heilbehandlung ins Feld geführt.

Für den ambulanten Bereich wurde die Abschaffung des H-Arztes zum 31. Dezember 2015 beschlossen. Es gab eine Übergangsregelung für die bestehenden H-Ärzte, D-Arzt zu werden. Diese Übergangsregelung setzte voraus, dass an dem Praxisstandort durch den Arzt mindestens 250 H-Arzt-Fälle sowohl in der Einzel- als auch in der Gemeinschaftspraxis pro Jahr behandelt werden mussten. Weiterhin musste die Infrastruktur der Praxis bezüglich der Eingriffsräume dem D-Arzt-Status angepasst werden. Dies führte dazu, dass bis jetzt nur ca. 17 Prozent der bisherigen H-Ärzte nach den neuen Bestimmungen zum D-Arzt übergeleitet werden konnten. Das sind bundesweit etwa 380 Kollegen.

Heilverfahren umgebaut

Außerdem wurde parallel das stationäre Heilverfahren komplett umgebaut. Das vorherige Verletzungsartenverfahren (VAV) wurde aufgeteilt in ein Durchgangsarztverfahren (DAV), ein VAV und ein Schwerstverletzungsartenverfahren (SAV). Auch hier gibt es eine entsprechende Übergangsregelung, die zum Jahr 2018 ausläuft, mit der Folge, dass viele VAV-Krankenhäuser ihre VAV-Zulassung verlieren werden und nur noch als DAV-Krankenhaus weiter tätig sein können.

Die Anforderungen an ein SAV-Krankenhaus, sowohl die Infrastruktur betreffend als auch das Vorhalten eines mehrere Fachdisziplinen umfassenden Ärzteteam in ständiger Bereitschaft, wird voraussichtlich nur von 120 bis 150 Krankenhäusern abgedeckt werden können.

Parallel zu den infrastrukturellen Änderungen der zur bg-lich zugelassenen Krankenhauslandschaft erfolgte die Veränderung des Verletztenartenkatalogs, so dass bestimmte Eingriffe nur in bestimmten Krankenhäusern – Notfallsituationen ausgenommen – behandelt werden können. So dürfen seit Gültigkeit des neuen Verletztenartenkatalogs hintere Kreuzbandverletzungen operativ nur in SAV-Krankenhäusern behandelt werden, obwohl viele spezialisierte Operateure mit hohen Fallzahlen außerhalb der BG-Kliniken tätig sind.

Die orthopädischen und unfallchirurgischen Belegärzte wurden primär gar nicht erwähnt. Jetzt zeichnet sich ab, dass sie voraussichtlich nur in ihrem Belegarztkrankenhaus operativ tätig sein können, wenn das Krankenhaus zumindest eine DAV-Zulassung hat.

Implementierung

Die einzelnen Berufsgenossenschaften (BG) sind unabhängig voneinander als Träger der Heilverfahren zuständig, so dass die Verwaltungs-BG in der Lage war, unabhängig vom Dachverband DGUV das M-Arztverfahren zu implementieren. Von den 9,3 Millionen Versicherten der Verwaltungs-BG erlitten 487.000 Unfälle. Im bezahlten Sport wurden 29.000 Unfälle bei 26.000 versicherten Sportlern gezählt, d. h. im bezahlten Sport wurde mehr als ein Unfall pro versicherte Person registriert. Bei den übrigen Versicherten lag die Quote bei 5,4 Prozent.
Die hochspezialisierten Mannschaftsärzte, die seit Jahren Berufssportler betreuen, stellen einen wichtigen Baustein in der Behandlung der Profis dar. Gerade im Spitzensport mit Fuß-, Hand-, Basketball und Eishockey ist eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit besonderen Kenntnissen der zeitnahen Dia­gnostik und kurzfristigen Entscheidungen zur konservativen oder operativen Therapie sowie den erheblichen Ansprüchen in der Rehabilitation bekannt. Auch die Verletzungsprävention stellt einen wichtigen Bestandteil der sportmedizinischen Betreuung dar. Um die bg-liche Betreuung der Berufssportler weiter durchführen zu können, erfolgte die Implementierung des Mannschaftsarztverfahrens durch die Verwaltungs-BG zum 1. Januar 2016.

Voraussetzungen

Die praxisinfrastrukturellen und -medizinischen Voraussetzungen für den M-Arzt entsprechen ungefähr dem ehemaligen H-Arzt und sind auf der Homepage der Verwaltungs-BG einzusehen. Außerdem muss der M-Arzt einen Kurs absolvieren, und der Sportverein muss ihn benennen und beauftragen. Der M-Arzt muss den Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie führen sowie den Zusatz Sportmedizin mit 3-jähriger Erfahrung in Sportmedizin und Diagnostik und Therapie von Sportverletzungen vorweisen.

Es gilt der allgemein gültige Verletztenartenkatalog. Das Spektrum für den M-Arzt wird gesondert aufgeführt. Der M-Arzt kann die besondere Heilbehandlung einleiten. Entgegen den bisherigen neuen D-Arzt-Leitlinien ist der M-Arzt mit den ambulanten Operationen dem Durchgangsarzt mit Zusatzbezeichnung spezielle Unfallchirurgie gleichgestellt. Da die betreuenden Mannschaftsärzte häufig in der Behandlung von Knie- und Schultergelenksverletzungen operativ besonders erfahren sind, besteht prinzipiell nach Rücksprache mit der Verwaltungs-BG und deren ausdrücklicher Zustimmung – ggf. auch mit Vorstellung in einem VAV- oder SAV-Krankenhaus – die Möglichkeit, die operative Versorgung von vielen Schultergelenksverletzungen sowie vorderen Kreuzbandrupturen und Operationen zur Schulterstabilisierung durchzuführen. Letztendlich sind die Berufsgenossenschaften Entscheidungsträger des Heilverfahrens.

Präventionsaufgaben

Die Verwaltungs-BG geht davon aus, dass es ungefähr 200 M-Ärzte geben wird. In den Kursen, die sie darauf vorbereiten, wurde ein besonderer Schwerpunkt auf die Präventionsaufgaben des M-Arztes, einen neuen Schwerpunkt in der bg-lichen Behandlung, Wert ­gelegt.

Der M-Arzt führt die sportmedizinischen Untersuchungen durch. Ggf. erfolgen die Vorstellung bei anderen Ärzten und die Hinzuziehung von zahnärztlichen, augenärztlichen, HNO-ärztlichen und ernährungsmedizinischen Untersuchungen. Für den Profisport gehört eine suffiziente kardiologische Untersuchung mit Spiroergometrie und Echokardiografie unbedingt dazu. Zudem sollte regelmäßig eine Leistungsdiagnostik unter Einbeziehung des M-Arztes stattfinden. Insgesamt ist der Aufgabenkatalog für den einzelnen M-Arzt neben seiner Praxistätigkeit alleine kaum zu bewältigen, so dass für Teilbereiche der M-Arzt-Versorgung andere Fachgebiete, wie Allgemeinmedizin, Kardiologie und/oder Leistungsphysiologie, unter Aufsicht des M-Arztes mit einbezogen werden sollten.

Auch die Begleitung des Sportlers im Return-to-Competition-Prozess gehört zu den Aufgaben des M-Arztes. Weiter fallen neben Beratung bei der Regeneration die Überprüfung der Medikamenteneinnahme sowie Antidopingvorgaben in seinen Bereich.

Unser Fazit

Den Berufssportler betreuenden Orthopäden und Unfallchirurgen ist es sehr zu empfehlen, das Mannschaftsarztverfahren zu beantragen, damit das Pilotprojekt ein voller Erfolg wird und es sich auf Dauer etabliert.

Zurück

Der Autor

Dr. med. Gerd Rauch ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Der Sportmediziner und Chiropraktiker hat eine Zulassung als Durchgangsarzt (D-Arzt) und ist Mitinhaber der Orthopädisch-­chirurgischen Gemeinschaftspraxis und Praxisklinik OCP Kassel mit dem Schwerpunkt ambulante Operationen.

Service

Zurück