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Wenn der Muskel „zu macht“

Stoßwellentherapie – Anwendung im Fußball und bei Olympia

Fast ein Drittel aller Verletzungen der Fußball-Bundesligasaison 2015/16 waren Muskelverletzungen (30,1 %, Quelle: www.fussballverletzungen.com). Diese hohe Anzahl macht den Fußballer zu einem muskulären Problempatienten. Mit muskulären Beschwerden müssen sich aber nicht nur Fußballer, sondern im Grunde alle Sportler auseinandersetzen.

Die Stoßwellentherapie hat sich in der modernen Medizin in der Behandlung von Sehnenreizzuständen wie Tennisarm, Fersensporn, Plantarfasziitis und Tendinitis der Achillessehne längst etabliert und ihre Wirksamkeit ist in zahlreichen hochkarätigen Studien bewiesen. Ein Einsatzgebiet, das bisher noch nicht so bekannt sein dürfte, sind die muskulären Beschwerden bei ambitionierten Hobby- und bei Profisportlern. Seit dem Jahr 2014 verfolgt und begleitet die sportärztezeitung die Entwicklung auf diesem Gebiet und arbeitet dabei eng mit Prof. Dr. med. Christoph Schmitz (LMU München), Dr. med. Stefan Mattyasovszky (Uniklinik Mainz und Teamarzt 1. FSV Mainz 05) und Steffen Tröster (Physiotherapeut 1. FSV Mainz 05) zusammen. Nach dem Start beim 1. FSV Mainz 05 und unseren zweimal im Jahr stattfindenden Workshops beim 1. FSV Mainz 05 und VfB Stuttgart zu dieser Thematik, fand aktuell eine Erweiterung mit dem FC Augsburg statt. Dessen Teamarzt Peter Stiller berichtet über die Behandlung des muskulären Hartspanns und rezidivierender Muskelverletzungen mit der Stoßwellentherapie. Hierzu liefert er zwei Fallbeispiele, die zeigen, wie gut und wie schnell mit der radialen Stoßwellentherapie geholfen werden kann.

FALL 1

Allgemeine Anamnese
Seit Jahren erhebliche muskuläre Probleme durch Knick-Senk-Spreiz-Füße und muskuläre Dysbalancen im Bereich der WS und des Beckens. Daher mehrfache Muskelfaserrisse, v.a. linker OS ventral und dorsal, Z.n. Muskelbündelriss M.biceps femoris li zentral. An dieser Stelle rezidivierender massiver Muskelhartspann mit Trainings- und Spielpausen von 1 – 2 Wochen.

Befund
Mai 2016 erneut Trainingspause wegen eines massiven und schmerzhaften Muskelhartspanns des M.bizeps femoris li, P.m. oberes Drittel, klinisch und sonografisch kein Hinweis auf erneute strukturelle Verletzung, Narbengewebe in diesem Bereich bekannt.

Therapie und Verlauf
Regelmäßige Behandlung des li OS dorsal mit radialer Stoßwellentherapie: 36 mm-Applikator, 2,5 – 3,0 bar, Frequenz 14 – 16 Hz, ca. 3000 Schuss etwa einmal alle 1 – 2 Wochen.

Nach der 1. Behandlung konnte bereits am nächsten Tag das Training wieder voll aufgenommen werden. Die Kontrolluntersuchung am Folgetag zeigte trotz vollen Trainings eine nur noch minimale Spannungszunahme im betroffenen Gebiet ohne Bewegungsschmerz und mit nur minimalem Druckschmerz bei tiefer Palpation. Nach der 2. Behandlung waren auch 90 Minuten Relegationsspiel problemlos möglich. Seitdem eine Behandlung alle 1 – 2 Wochen prophylaktisch. Patient seitdem bei vollem Spielbetrieb beschwerdefrei. Der Spieler wurde auch mit Einlagsohlen versorgt und es wurden weiterhin gezielte Core-Stabilitätsübungen gemacht.

Fall 1: Ambitionierter U23-Spieler, 21 Jahre alt, Regionalliga Bayern, Training 4 – 5x/ Woche, Spiele 1 – 2/ Woche

 

FALL 2

Allgemeine Anamnese
Spieler stellt sich direkt nach einem 90-minütigen Spiel in der medizinischen Abteilung vor und klagt über starke Schmerzen und Krampfneigung in der linken Wade („Muskel total zu“).

Befund
Deutlicher Hypertonus der gesamten Gastrocnemius-Muskulatur der linken Wade mit Spannungszentrum und P.m. des Schmerzes im Bereich mittleres bis oberes Drittel des Muskelbauches. Keine tastbare Lücke und auch in der Sono-Kontrolle kein Hinweis auf eine strukturelle Verletzung. Zusätzlich deutlicher Muskelhartspann der rechten Wade mit leichterem Druckschmerz und ohne Spannungszentrum.

Therapie und Verlauf
Sofortige Behandlung (nach Sono-Kontrolle!) mit radialer Stoßwellentherapie, 2,5 – 3,0 bar, Applikator 36 mm, Frequenz 14 Hz, 2.500 Schuss M.gastrocnemius medialis und 1.500 Schuss M.gastrocnemius lateralis. Behandlung erfolgt beidseitig.

Der Spieler verlässt die medizinische Abteilung völlig beschwerdefrei. Palpatorisch deutlich weicherer Muskelverlauf, kein hypertones Zentrum mehr vorhanden. Minimaler Druckschmerz medial. Teilnahme am Mannschaftstraining am nächsten Tag problemlos möglich. Danach palpatorisch leichte Spannungszunahme gegenüber dem Endzustand vom Vortag, kein Schmerz! Nach der 2. Behandlung Muskulatur beidseitig weich und locker, keinerlei Schmerz bei Belastung oder Palpation. Der Spieler wird seitdem auf eigenen Wunsch alle 2 – 3 Wochen in diesem Muskelbereich mit Stoßwellen behandelt und ist durchgehend trotz vollem Spielbetrieb beschwerdefrei. Er wurde zusätzlich mit Einlagsohlen versorgt.

Fall 2: Ebenfalls ambitionierter U23-Spieler, 19 Jahre alt, Regionalliga Bayern, Training 4 – 5x/Woche, Spiele 1 – 2/Woche

 

Shock waves at the Rio 2016 Olympic Games

Olympic bodies and minds

The Olympic Games are the biggest sporting event in the world where the best athletes challenge themselves after a cycle of 4 years of intense training and a lifetime of dedication to sport.

Alongside the achievements, records and resilience, there are personal and family sacrifices, strong emotions and pain. Strenuous practice and inevitable injuries place the body under tremendous pressure. Muscle and tendon injuries are among the most common pathologies which jeopardize athletes’ performance and ability to continue in training and competitions. Usual treatments, such as rest, stretching exercises, massage therapies, ice and medications are still the most recognized worldwide. But what to do in cases of acute pain and chronic tendinopathies resistant to the usual treatment? Are there any quick-acting, safe options for the treatment of muscle injuries?

Rio 2016 – A world of care
Being part of the Rio 2016 medical team means supporting the athletes so they can perform at their best, and taking care of their body before and during the games. Throughout the competition the most unexpected issues can arise; however, the most common injuries are very ordinary: plantar fasciitis, Achilles tendinopathy, calf injury, back pain, etc. The Polyclinic is equipped with an ESWT device, and we were therefore able to treat 53 athletes for a total of 72 Radial Shock Wave Therapy sessions. Shock Wave Therapy is fast and effective, which is very helpful for pain relief and muscle contractures. Furthermore, when combined with other physiotherapy techniques, it yields significant improvements and allows athletes to remain in the competition. For example, after monitoring several muscular pain cases, especially in the calves, thighs and lumbar, we can state that athletes recover much faster than using traditional treatments only.

We are therefore convinced that the use of ESWT during training and competitions should not be reserved for chronic pain only. Shock Wave Therapy, especially in combination with other physiotherapy techniques, can make all the difference in an athlete’s performance, providing relief from pain and relaxing the muscles. The feedback from athletes and colleagues on our results at the Rio 2016 games filled our hearts with joy. We will never forget their clenched teeth and their smiles.

Dr. Paulo Kertzman | Dr. Ana Mourao

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Der Autor

Peter Stiller ist Facharzt für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin, und Mannschaftsarzt des FC Augsburg 1907.

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