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Schmerztherapeutische Optionen

Einsatz in der Sportmedizin

Abb 1: Behandlung von Rückenschmerzen bei einer Turnerin mit „hot-needle-Technik”. Foto: ©Matthias Groppe

Der Schmerz kam wie aus heiterem Himmel und mit einer Wucht, die Patrick Schubert überraschte und die er in dieser Intensität noch nicht kannte. Während des abendlichen Hockeytrainings trat ein plötzlich einschießender Rückenschmerz auf, der sich wie elektrisiert in das rechte Bein fortsetzte. Der Schmerz war von derartiger Heftigkeit, dass er sich an der Spielfeldbegrenzung stützen musste.

Abb. 2: Anwendung Stoßwellentherapie (fokussiert) bei einer Basketballspielerin. Foto: ©Matthias Groppe
Körperliches Training führt zu Belastungen, denen der Organismus in verschiedener Hinsicht nicht gewachsen ist. Die Möglichkeiten der Reaktionen des Körpers sind vielfältig. Eine der häufigsten Antworten äußert sich in Schmerz. Schmerzen im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung sind für jeden sportlich aktiven Menschen keine Besonderheit. Sei es eine Schienbeinprellung beim Fußball, der Rückenschmerz nach intensiven Belastungen bei älteren Sportlern oder ganz einfach der Muskelkater, der zu mehr oder weniger intensiven Beschwerden führen kann. Nicht jede schmerzhafte Situation bedarf einer medizinischen Diagnostik oder Behandlung. Viele Sportler werden auch ohne Therapie wieder völlig beschwerdefrei.

Wenn der Athlet sich entscheidet, einen Arzt oder die Sportmedizinische Ambulanz aufzusuchen, gilt es allerdings, eine exakte Diagnose und individuelle Therapie festzulegen. Hier ist ein hohes Maß an Erfahrung der Ärzte unerlässlich, um die oft diffusen Symptome und Schilderungen der Schmerzentstehung kompetent und richtungsweisend zu interpretieren. Das Spektrum der behandlungsbedürftigen Schmerzzustände ist äußerst vielfältig. Sei es nach Verletzung oder Überlastung bei bestehenden Sportschäden und Verschleißerkrankungen oder bei weniger sportinduzierten Leiden. Auch hier reicht es, von unspezifischen Schmerzen bis hin zu akuten Entzündungen der Nasennebenhöhlen, der Augen oder intermittierend auftretende Kopfschmerzen, wie z. B.  Migräne. Ebenfalls leistungsmindernd können sich Beschwerden des Magen-Darm-Traktes auswirken.

Therapieansätze

Ebenso vielfältig und bisweilen nicht eindeutig abgrenzbar wie die Ursachen von Schmerzen, so breit fächert sich auch das Spektrum der Behandlungsverfahren. Grundsätzlich muss auch hier gelten: Keine gute Therapie ohne sichere Diagnose. Akute Schmerzen und Verletzungsfolgen erfordern häufig einer schnellen und intensiven Behandlung, die gegebenenfalls auch nur aus wenigen Komponenten besteht. Länger anhaltende und chronisch auftretende Beschwerden müssen meist auch längerfristig und vielfältiger behandelt werden. Wie in der Speziellen Schmerztherapie im Allgemeinen folgt auch die individuelle Behandlung des Sportlers einem multimodalen Therapiekonzept. Wie auf der Tastatur eines Klaviers ist die Zahl der Möglichkeiten und Kombinationen nahezu unendlich groß.

Abb. 3: Taping-­Anwendung bei einer Salsa Tänzerin. Foto: ©Matthias Groppe
Der Arzt muss bei der Festlegung des Behandlungsverfahrens außer den aktuell bestehenden Schmerzen die Entstehungsgeschichte, den Verlauf, psychische Faktoren, die Therapieziele und die vermutete Prognose genauestens berücksichtigen. Gerade die psychischen Begleitumstände können bei der Entstehung und im Verlauf von Schmerzzuständen von entscheidender Bedeutung sein. Übermotivation und Übertraining können große Hindernisse auf dem Weg zum Erfolg darstellen. Realistische Ziele helfen den Athleten dabei, die Trainingssteuerung individuell und professionell anzupassen. Auch die Einbeziehung des Trainingsumfeldes kann hilfreich in die Behandlung einbezogen werden, wenn der Sportler dieses wünscht.

Fallbeispiel Hockeyspieler

Kehren wir zu unserem Hockeyspieler von der Einleitung zurück. Bei der ersten eingehenden Untersuchung zeigt sich ein ausgeprägter lumbaler Schmerz mit nichtsegmentaler Ausstrahlung in das rechte Bein. Die paravertebrale Muskulatur ist verhärtet sowie druck- und bewegungsschmerzhaft. Ebenso findet sich ein Druckschmerz über dem rechten Kreuzdarmbeingelenk und der Kennmuskulatur rechts. Die segmentale Untersuchung ist schmerzbedingt nur eingeschränkt durchführbar. Neurologische Symptome zeigen sich nicht. Die umgehend eingeleitete Therapie kann unter der Annahme, dass keine akut aufgetretene strukturelle Schädigung vorliegt, zunächst auch ohne bildgebende Verfahren, wie Röntgen oder MRT, beginnen. Medikamentös könnte bei Bedarf kontrolliert ein NSAR oder ein Muskelrelaxanz eingesetzt werden. Im Rahmen der Physiotherapie werden ebenfalls detonisierende Verfahren eingesetzt. Wärmeapplikationen sind bei muskulären Verspannungen gut geeignet, zunächst den schmerzhaften Hautspann zu lockern. Sowohl im akuten, wie auch im prolongierten Verlauf wirkt die Stoßwellentherapie oft Wunder. Sowohl die radiale, als auch die fokussierte ESWT können in der Hand eines erfahrenen Therapeuten erfolgreich eingesetzt werden. Abschießend kann der Athlet mit ­kinesiologischen Tapes eine entlastende und detonisierende Versorgung bekommen.

Wichtig: Die Schmerztherapie ist immer individuell zu gestalten. Bei Hochleistungssportlern sind zusätzlich unbedingt die Vorgaben der NADA/WADA hinsichtlich der Dopingrichtlinien zu beachten. Grundsätzlich sollen diese Maßnahmen auch für den Amateurbereich gelten. Der multimodale Therapieansatz kommt mit zunehmender Dauer und Intensität zum Tragen. Unter stationären Bedingungen sind die Therapiemöglichkeiten ungleich intensiver und kontrollierter einsetzbar. Flankierende psychologische Betreuung, Sporttherapie und verschiedene Verfahren der physikalischen Therapie werden koordiniert. So entsteht eine Partitur, die das Orchester zum Klingen bringt. Entspannungsverfahren, Ernährungsberatung zur Sporternährung (siehe dazu auch Artikel von Dr. Klaus Pöttgen auf Seite 16 in dieser Ausgabe) und Hilfen für Alltagsverhalten gehören ebenso zum Repertoire, wie der Einsatz von Medikamenten oder sportpsychologische Interventionen (siehe Tabelle).

Fazit

Das Ziel heißt grundsätzlich „Return to sports – return to normal life“. Dieses Ziel sollte so schnell wie möglich erreicht werden und zugleich soll der Sportler so gut konditioniert und betreut werden, dass ein erneutes Auftreten von Schmerzen – gleich welcher Ursache – mit hoher Wahrscheinlichkeit entgegen gewirkt werden kann.

Die folgende Tabelle stellt einen Überblick über einen Großteil der Möglichkeiten zur Behandlung von Schmerzen im Zusammenhang mit Sport dar:

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Der Autor

Dr. med. Alexander Strassburg ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und Chefarzt in der Teutoburger-Wald-Klinik in Bad Lippspringe.  Als Verbandsarzt betreute er u. a. die Hockeynationalmannschaft, den Olympiastützpunkt für Hockey in Limburg, den Nachwuchs des Schleswig-Holsteinischen Tennisverbandes, sowie verschiedene Fußball-, Handball-, Basketballmannschaften und Leichtathleten. Seine Schwerpunkte sind Spezielle Schmerztherapie, Arthrosebehandlung und Sportverletzungen.

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