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Kombinierte Kältetherapie

Beispiele aus der Leistungssportbetreuung

Dr. Peter Keysser hat in dem vorangegangen Artikel über den Einsatz von Kryotherapie in der Sportmedizin berichtet. Dr. René Toussaint und Dr. Dr. Andreas Först ergänzen die Ausführungen mit Erfahrungen aus der Leistungssportbetreuung in den Bereichen Handball, Tennis und Basketball.

Darius Miller von Brose Bamberg regeneriert in der Kryosauna, extern bedient von Physiotherapeut Heiko Pfister.
Der vielfältige Einsatz der Kältetherapie in der sportmedizinischen Akutversorgung ist anerkannt. Auch in der weiterführenden sportphysiotherapeutischen Behandlung und in der Rehabilitation von Sportverletzungen spielt sie eine positive Rolle. Verschiedene Verfahren, die neben Kälte auch andere physikalische Wirkungen in Kombination umsetzen, haben sich bei der Versorgung von Sportlern bewährt und klassische Verfahren, wie Eisbeutel oder Eisspray, abgelöst. Sehr gute Erfahrungen konnten wir in den letzten Jahren bei der Betreuung der Bundesliga Handball Männermannschaft SC DHfK Leipzig und bei den „Leipzig open“ (Internationales ICF-Tennisturnier) sowohl mit dem CRYOLIGHT® System als auch mit dem Compry Cool Cryo System sammeln. Beide Kältetherapie-Systeme wurden von uns auch in Kombination, sich in ihrer Wirkung ergänzend, eingesetzt.

CRYOLIGHT®

Dass Kälte eine positive Wirkung hat, ist erst in den letzten Jahren wissenschaftlich nachgewiesen worden. Bei der neuroreflektorischen Schmerztherapie oder auch Schockeistherapie genannt, genügt eine kurzzeitige Einwirkung (0,5 – 3 Minuten) extremer Kälte, um Schmerzen zu lindern, entzündliche Prozesse einzudämmen, verkrampfte Muskulatur zu lockern und das Immunsystem zu stärken. Die Behandlung erfolgt mit flüssigem Kohlendioxid (CO2). Sobald das flüssige Kohlendioxid mit Sauerstoff in Berührung kommt, entstehen winzig kleine Eiskristalle. Es wird mit kreisenden Bewegungen und mit einem sanften Druck von ca. 0,3 bar präzise auf die Haut aufgesprüht. So kühlt die behandelte Körperstelle innerhalb von 3 – 5 Sekunden auf eine Temperatur von + 4° C bis 0° C ab. Die so erzielte 4-fach-Wirkung (analgetisch, antiphlogistisch, vasomotorisch, neurophysiologisch) ist deutlich effektiver als bei einfachen Kälteanwendungen. Kälteverbrennungen sind bei korrekter Anwendung durch das integrierte Messsystem vermeidbar. Der Organismus und das Herz-Kreislaufsystem werden nicht beeinträchtigt, da nur umschriebene, betroffene Körperregionen behandelt werden.

Compry Cool Cryo System

Neuroreflektorische Kältetherapie
Das moderne Cryotherapiesystem verbindet die Wirkungen von Kühlung und Kompression in einem System. Wasser mit einer moderaten Kältewirkung (minimal 10° C) wird durch das komprimierende Manschettensystem, welches die verletzte Region umfasst und komprimiert, gepumpt. Die Einwirkdauer beträgt 15 bis 20 Minuten. Es zeichnet sich durch eine einfache Handhabung (tragbar, geringes Gewicht) und mobilen Einsatz am Spielfeld oder auf der Rückfahrt nach einem Auswärtsspiel aus. Es werden alle betroffenen Körperregionen (verschiedene Manschetten) in die Therapie einbezogen. Die Kompressionsstärke kann nach individuellen Bedingungen variiert werden. Die Cryo-Kompressionstherapie reduziert Schwellungen, beschleunigt die Heilung von geschädigten Strukturen des Bewegungsapparates, hemmt die Entzündung und wirkt schmerzreduzierend. Einsatzgebiete, besonders durch die Kombination von Kühlung und Kompression, sind Verstauchungen, Schwellungen, Prellungen, Muskel- und Sehnenverletzungen, aber auch Gelenkerkrankungen und -verletzungen. Compry Cool Cryo ist ebenfalls sehr gut nach einer Operation einsetzbar und unterstützt die Rehabilitation im Belastungsaufbau durch Reduktion negativer Beanspruchungsreaktionen am Bewegungsapparat.

Dr. René Toussaint

Kryosauna – ein Erfahrungsbericht

In den letzten Jahren wird Kälte in der Sportmedizin zunehmend auch in der Regeneration angewendet. Angelehnt an die Kältetherapie aus der Orthopädie und Rheumatologie wurden Kältekammern entwickelt, in denen ein Stickstoff-Nebel mit einer Temperatur von mehr als –190° Celsius erzeugt wird. Postuliert werden eine Verkürzung der Regenerationsphase, Verkürzung der Rehabilitation nach Verletzungen, Leistungssteigerung und eine Verlängerung der Leistungsfähigkeit. Außerdem kann die extreme Kälte zur Behandlung von chronischen Sportverletzungen wie Sehnenentzündungen und Muskelverletzungen eingesetzt werden. Eine Fülle von Veröffentlichungen befasst sich mittlerweile mit dieser Thematik, wobei sich die Mehrzahl der Untersuchungen mit der Anwendung jenseits des Sports und einem Kältebereich bis –110° beschäftigt.

Wie in anderen Bereichen auch, leistet der Hochleistungssport hier Pionierarbeit, indem Kältekammern zunehmend Einzug in den Therapie- und Rehabereich von Spitzenvereinen finden. Seit Anfang des Jahres verfugt auch der Deutsche Basketballmeister Brose Bamberg in seinem Trainingszentrum über eine eigene Kryosauna, die, gespeist über flüssigen Stickstoff, einen Kältenebel von bis zu –196° (gemessen am Einleitungspunkt) erzeugt. Das System wird aus einem direkt angeschlossenen 40-Liter-Behalter mit Stickstoff gespeist. Ein 250-Liter-Tank außerhalb des Gebäudes sichert den Nachschub, wobei der Tank in der Preseason etwa einmal pro Woche nachgefüllt werden muss. Die Spieler nutzen die Kryosauna nach dem Training und nach dem Duschen, bekleidet mit Unterhose und speziellen Fellschuhen, welche die Füsse vor übermäßiger Auskühlung schützen. Nach dem Betreten der Kammer und Verschluss der Türe werden die Spieler über ein Liftsystem so angehoben, dass die Schultern mit dem Oberrand der Kammer abschließen. Hierbei ist es wichtig, den Kopf außerhalb der Kammer zu belassen, um eine Intoxikation zu vermeiden. Um das Risiko einer Gefährdung bei versehentlichem Abtauchen oder Kollaps zu vermeiden, wird die Kältekammer vollständig von extern bedient, in der Regel von unseren Physiotherapeuten.

Die Behandlungsdauer variiert meist zwischen  zwei und vier Minuten und wird manuell nach Wunsch des Spielers voreingestellt, kann aber auch jederzeit unterbrochen werden. Dabei werden aufgrund der trockenen Kälte die extremen Temperaturen gut toleriert. Nach Beendigung der Sitzung fühlt sich zunächst die Haut ausgesprochen kühl und partiell anästhetisch an. Nach kurzer Zeit tritt zusammen mit der Wiedererwarmung des Körpers ein ausgeprägtes Gefühl der Euphorie und Erholung ein, welches eine unterschiedlich lange Zeit anhält. Was den mittel- und langfristigen Effekt der Kältetherapie angeht, können an dieser Stelle keine Aussagen getroffen werden, da eine wissenschaftliche Auswertung durch uns nicht stattfindet und die Kältekammer auch nicht von allen Spielern regelmäßig genutzt wird. Festzustellen ist, dass die Sitzungen als äußerst angenehm empfunden werden. Ob die Kryosauna (neben einer optimalen Trainingsgestaltung und einer perfekten physiotherapeutischen Betreuung) tatsachlich dazu beiträgt, dass unser Team von größeren muskulären Verletzungen und Beschwerden verschont geblieben ist, müsste durch valide Studien erhärtet werden.

Dr. Dr. Andreas Först

 

© Fotos: WORBSER Sportfotografie

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Die Autoren

Dr. Dr. med. Andreas Först

 

Dr. René Toussaint

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