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Herausforderung Mannschaftsarzt

Spagat zwischen Hausarztpraxis und Sportmedizin

Schulterprellung von Benjamin Maas, VfR Wormatia Worms, Dr. Priester-Lasch (Manschaftsarzt), Patrick Matos (Physiotherapeut) VfR Wormatia Worms

Im Als niedergelassener Allgemeinmediziner und Sportmediziner muss man sich täglich der Herausforderung stellen, mehrere Schauplätze zu bedienen. Was bedeutet die Betreuung von Leistungssportlern, sei es im Profi- oder Amateurbereich, eigentlich wirklich?

Der Schwerpunkt meiner Praxistätigkeit liegt in der hausärztlichen Patientenversorgung. Zusätzlich behandele und betreue ich im Rahmen der Sportmedizin sowohl Leistungs- als auch Freizeit- und Breitensportler präventiv sowie nach Verletzungen und im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit. Das bedeutet, im Vordergrund stehen hier die Bereiche Diagnostik, Ursachenabklärung und Therapie von Sporttraumata, akuten und chronischen Beschwerden des Muskel- und Skelettapparates, wie ­z. B. Rückenschmerzen, Tennisellenbogen, Kreuzbandrisse, Schulter- und Achillessehnenver­letzungen sowie Muskelfaserrisse. Aber auch ­Ernährungsberatung und Antidopingmaßnahmen gehören zu den zentralen ärztlichen Aufgaben im (Leistungs-) Sport. Gerade das breite Spektrum der Patienten fasziniert mich jeden Tag aufs Neue, wenn an einem Tag der schwer Herzkranke, am nächsten Tag der Marathonläufer in die Praxis kommt. Als besondere Herausforderung im Hinblick auf Zeitmanagement und auch fachlich sportmedizinisch, betreue ich seit fünf Jahren den Fußballregionalligisten VfR Wormatia 08 Worms.

Leidenschaft und Begeisterung

Aber zurück zu der anfangs gestellten Frage. Was bedeutet es tatsächlich, neben der Haupttätigkeit als Allgemeinmediziner, Sportler im Rahmen der geplanten Sprechstunden zu behandeln und eine Fußballmannschaft in der höchsten Amateurklasse nebenbei zu betreuen? Befragt man Kollegen, scheint eine Voraussetzung festzustehen: die Leidenschaft und Begeisterung für Sport. Dazu gilt es, ein hohes Maß an Motivation, Teamfähigkeit und Flexibilität innezuhaben. Ein eher uneitles Wesen ist von Vorteil, denn gerade zu Beginn übt man dieses Amt oft ehrenamtlich aus. Auch wenn Sportmediziner einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass Athleten erfolgreich sein können, von deren Ruhm bekommen sie (meistens) nichts ab. Trotzdem warne ich davor, die Sportmedizin nebenher als „Hobby“ betreiben zu wollen. Der Arzt ist Vertrauensperson, die Gesundheit ist das Kapital des Sportlers. Zum einen sind Athleten sehr anspruchsvolle Patienten, zum anderen tragen wir eine hohe medizi­nische Verantwortung. Wenn man einem Leistungssportler z. B. aufgrund asthmatischer Beschwerden ein Medikament verordnet, muss man wissen, welches von der Dopingbehörde NADA überhaupt zugelassen ist.

Je mehr Athleten wir betreuen, desto klarer wird: Planbar sind die Verletzungen nicht. Da sich besonders montags die Akuttraumata gehäuft haben, bieten wir eine offene Sportlersprechstunde an. Kommt es zu einer Verletzung im Training oder im Wettkampf, fällt auch einmal die eine oder andere Mittagspause aus, der Feierabend rückt in weite Ferne oder der Sportler wird zwischen Hausbesuchen noch schnell „eingeschoben“. Neben der klinischen Untersuchung wird die meist notwendige weitere apparative Diagnostik gebahnt. Daran schließt sich ein Telefonat mit dem Trainer oder Betreuer an, in dem die Diagnose, das Procedere und besonders die Einschätzung der Ausfallzeit diskutiert werden. Bei einem eng getakteten allgemeinmedizinischen Sprechstundentag kann ein „sportmedizinischer Zwischenfall“ den Praxisablauf rasch aus der Bahn werfen. Bei schwerer verletzten Sportlern organisiert der betreuende Mediziner zudem auch die Vorstellung in Spezialkliniken zur Operation, individuelle Gespräche mit den behandelnden Physiotherapeuten in den Rehazentren müssen geführt werden und der Sportler sollte mental aufgefangen werden. Nicht selten schließen sich schweren Verletzungen lange Ausfallzeiten an und die Angst, nicht mehr ins Training zurückzukommen, dominiert den Heilungsprozess.

Vielzahl von Herausforderungen

Aber es sind nicht nur die kleinen und großen Blessuren, die versorgt werden wollen. Eine professionelle sport­medizinische Betreuung reduziert sich nicht darauf, am Montag das Knie des verletzten Fußballspielers zu behandeln, sie setzt viel früher an. Bleiben wir bei dem Beispiel „Fußballmannschaft“. Vor jeder Saison werden die vom Deutschen Fußballbund vorgeschriebenen Medizinchecks durchgeführt. Da dies jeden Sprechstundenrahmen sprengen würde, werden die Wochenenden hierfür beansprucht. Des Weiteren strebt man jede Saison höhere Ziele an, Verbesserungen sportlicherseits zu verwirklichen, trotz finanziell engem Vereins­budget. Die in höheren Ligen selbstverständ­lichen Arbeitsutensilien wie beispielsweise Eistonnen, Ultraschall- und Elektrogeräte oder neue Therapieliegen müssen jedes Jahr neu verhandelt werden.

Zusätzlich zu den materiellen Verbesserungen werden zusammen mit Physiotherapeuten, Betreuern und Trainern SOPs ausgearbeitet, um Behandlungsabläufe zu standardisieren. Verletzungsstatistiken werden geführt, Präven­tionsprogramme initialisiert und Fortbildungen organisiert, um auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu sein, immer mit der realistischen Einschätzung der Möglichkeiten des Vereins im Hinterkopf. Wir sind bestrebt, nicht nur die medizinische Betreuung in der Regionalligamannschaft von Wormatia Worms zu optimieren, sondern diese auch in unserer Damen-, U23-Mannschaft sowie den Jugendmannschaften auf- und auszubauen. Die medizinische Mannschaftsbetreuung beinhaltet auch die Anwesenheit des „Docs“ an den Spieltagen. Ein solcher beginnt üblicherweise 90 Minuten vor Anpfiff. Besprechungen mit Physiotherapeuten und Coaches, verletzte Spieler aus dem Abschlusstraining untersuchen, Entscheidungen über Spielfähigkeiten in letzter Minute endgültig zu treffen, die Teilnahme an der Mannschaftsbesprechung und das Warten auf den Anpfiff gehören zu den ärztlichen Aufgaben. Natürlich stehen die Trainer unter einem enormen Leistungsdruck, der nicht selten auf die Ärzte übertragen wird. Tritt akut eine Verletzung im Spiel auf, gibt der Arzt dem Trainer eine erste Einschätzung, ob der Fußballer weiterspielen kann oder ausgewechselt werden muss? Häufig besteht -besonders bei muskulären Verletzungen- das Risiko einer längeren Ausfallzeit, wenn der Spieler nicht frühzeitig aus dem Wettkampf genommen wird. In einem funktionierenden Team wird diese Problematik auf fachlicher Ebene zwischen Trainer, Spieler und Arzt diskutiert, um eine sinnvolle Lösung zu finden.

Besonderes Arzt-Patienten-Verhältnis

Wenn man ambitionierte Amateursportler und Profis betreut, entsteht ein ganz besonderes Arzt-Patienten-Verhältnis. Man wird ein Team, Mediziner und Sportler verbindet die Gemeinsamkeit, ein positives Ziel zu erreichen, sei es, eine Goldmedaille bei Olympia zu gewinnen oder nur der Spaß an der Bewegung. Die Sportler, sei es der Triathlet auf dem Weg nach Australien zur Weltmeisterschaft, der Mountainbiker beim Rennen in Südafrika oder die Spieler der Regionalligamannschaft, Trainer und Verantwortliche haben immer die Möglichkeit, mich auch außerhalb der Sprechzeiten zu erreichen. Das heißt, es finden oft abends und am Wochenende Telefonate oder Treffen statt. Es geht nicht immer um den Sportler, sondern auch um Angehörige oder Freunde. Man wird um Rat gefragt, um eine medizinische Ersteinschätzung oder nach einem „Spezialisten“, den man empfehlen kann.

Fazit

Um dieses Amt kompetent auszufüllen, ist viel Motivation und Energie gefragt. Es sind bestimmte Momente, wenn ein Spieler nach langer Verletzungspause wieder schmerzfrei auflaufen kann, das Zusammenarbeiten mit dem Trainerteam und den Physiotherapeuten, oder Highlights in der Saison wie Spiele mit Fernseh­übertragung, aber auch die Kontakte und der interdisziplinäre Austausch mit Kollegen anderer Vereine, die anspornen, viel Zeit und Energie in das Amt zu investieren. Zweifelsohne verbindet der Job eines Mannschaftsarztes eine hohe Verantwortung, Einsatz unter außerordentlichen Bedingungen, aber auch ein einzigartiges Umfeld und viele Impressionen.

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Der Autor

Dr. med. Carl Priester-Lasch ist Facharzt für Innere- und Allgemeinmedizin, mit Zusatz­bezeichnung Sport­medizin, Chirotherapie, Notfallmedizin und Diabetologie. Seit 2016 ist er niedergelassen in der Praxis Curamed in Osthofen bei Worms. Außerdem ist er Mannschaftsarzt von VfR Wormatia 08 Worms (Fußball Regionalliga Südwest), HSG Worms, TGO Osthofen (beide Handball Oberliga), Kader Ruderer des MRV Mainz und betreut mehrere ambitionierte Amateur- und Profisportler aus verschiedenen Disziplinen.

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