Zum Artikel

Im Leistungssport ist die Haut als größtes Organ des Menschen starken Belastungen ausgesetzt. Doch die in diesem Zusammenhang entstehenden dermatologischen Erkrankungen werden verharmlost und unterschätzt. Dr. Susanne Greve gibt einen Überblick über die besonders im Fußballprofisport häufig auftretenden Hauterkrankungen an den Füßen und zeigt praktische Tipps zu deren Prävention und Therapie auf.

Zurück

Hautprobleme am Spielerfuß

Profifußballer leiden häufig unter Pilzinfektionen, eingewachsenen Nägeln und anderen dermatologischen Erkrankungen. So funktionieren Prävention und Therapie

Im Profisport ist ein schnelles, zielgerichtetes Erkennen von Hauterkrankungen wichtig, um Ausfallzeiten vorzubeugen beziehungsweise kurz zu halten. Es sollte eine rasche leitliniengerechte Therapie unter Einhaltung der Richtlinien der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) durchgeführt werden.

Die Hautbarriere wird beim Sport durch ständiges Schwitzen, Duschen und zusätzliche mechanische Belastung (z.B. Reibung der Kleidung und Schuhe) gestört. Als Folge können infektiöse Erkrankungen durch Pilze, Viren oder Bakterien auftreten. Bei Sportarten, die im Freien ausgeübt werden, können zusätzlich Probleme durch Umwelteinflüsse wie Hitze und Kälte hinzukommen.

Diese Hauterkrankungen an den Füßen sind bei Sportlern häufig:

  1. Onychomykosen und Tinea pedis
  2. Verrucae
  3. Unguis incarnatus und Paronychien
  4. Bullae
  5. Clavi
  6. Mechanische Nagelverletzungen und subunguale Hämatom

Nach unserer Erfahrung kann das Einhalten der im Folgenden erläuterten Präventionsmaßnahmen zu deutlich kürzeren Ausfallzeiten führen.

Pilzinfektionen vorbeugen

Sportler leiden überproportional häufig unter Pilzinfektionen (Sport und Mykosen, Hans-Jürgen Tietz et al., 2003). Durch direkten Kontakt mit Pilzsporen in der Umgebung der Sportler, hier sind besonders Fußböden von Duschen, Saunen und Behandlungsbereichen zu nennen, steigt das Infektionsrisiko. Mikro­traumata der Haut begünstigen den Eintritt der Sporen in Haut und Nägel.

Vorbeugend wird empfohlen, gemeinsame Duschen nur mit Badeschuhen zu benutzen, Sportlersocken ohne auftragende Nähte anzuziehen, nicht zu enge Schuhe zu tragen und diese häufiger zu wechseln. Ferner sollten Sportler antimykotische Fuß- und Schuhsprays anwenden. Ratsam ist, regelmäßig eine Fuß- und Nagelpflege durchzuführen. Unserer Erfahrung nach kommt es zu einer deutlichen Reduktion des Risikos von Traumata und Infektionen, wenn die Spieler, je nach individueller Notwendigkeit, in zwei- bis vierwöchentlichem Rhythmus eine professionelle Fußpflege erhalten – zusätzlich zu o.g. Pflegepräparaten mit antimykotischem Zusatz.

Antimykotische Lösungen

Sollte es zu einer Pilzinfektion an Füßen und Fußnägeln gekommen sein, können antimykotische Lösungen und Cremes angewendet werden. Es empfiehlt sich, im Bereich der Zehenzwischenräume eine Lösung anzuwenden, um einem weiteren Aufweichen der Haut vorzubeugen. Am übrigen Fuß kann eine antimykotische Creme oder ein Schaum zum Einsatz kommen. Befallene Fußnägel sollten frühzeitig mit einem antimykotischen Lack behandelt werden, da bei Befall der kompletten Nagelplatte meist nur noch systemische Therapien greifen. Die Nagelextraktion ist obsolet und führt langfristig eher zu einer Verschlechterung der Nagelsituation sowie zur weiteren Onychodystrophie und deren Folgen.

Warzen schnell behandeln

Verrucae werden durch verschiedene humane Papillomaviren verursacht. Durch mazerierte und traumatisierte Haut wird eine Kontaktinfektion begünstigt. Es zeigen sich einerseits stark verhornte Hautpapeln, welche besonders am traumatisierten Nagelfalz entstehen, wo es durch Reibung leicht zu Blutung und weiteren Verletzungen kommen kann. Ferner zeigen sich an der Fußsohle flachere Plantarwarzen, welche sich in die Tiefe ausbreiten und sehr schmerzhaft werden können, was den Sportler stark beeinträchtigt.

Warzen sollten möglichst rasch behandelt werden, damit ein Größenwachstum und eine Ausbreitung vermieden wird. Es können keratolytische und antivirale Lösungen zum Einsatz kommen. Von zu radikalen Abtragungen ist bei Profisportlern unbedingt abzuraten, da die Wundheilung im verhornten Fußsohlenbereich unter Umständen Wochen dauern kann. Der Sportler hat dadurch große Schmerzen beim Laufen, folglich können Ausfallzeiten auftreten.

Einwachsen des Nagels

Bei der sportlichen Betätigung treten starke Scherkräfte an den Großzehen auf. Gerade bei Sportarten, bei denen starke Abstoppbewegungen, Richtungswechsel und Beschleunigungen relevant sind (z.B. Fußball, Handball, Basketball, Tennis), kommt es immer wieder zur Traumatisierung. Hierbei kann sich der seitliche Nagelrand in den Nagelfalz drücken. Dies reizt die Haut des Nagelrandes, und es bildet sich Granulationsgewebe, so genanntes „Wildes Fleisch“.

Zusätzlich kann es bei Mikrotraumata und Hautbarrierestörungen durch Schweiß zu einer Infektion mit zum Beispiel Staphylokokken, Pseudomonas oder Streptokokken kommen. Auch eine konsequent falsche Nagelpflege, bei der zu viel Nagel im schmerzhaften Gebiet entfernt wird, kann das chronische Einwachsen begünstigen. Im Frühstadium hilft es häufig, den Nagel zu tapen. Dabei versucht man mit Hilfe eines Pflasters Zug auf den Nagelwall weg vom Nagel auszuüben, um dem Nagel mehr Platz zu verschaffen. Bei Entzündungen in diesem Bereich werden antiseptische (z.B. Jod-) Lösungen angewendet. Bei wiederholtem Einwachsen des Großzehennagels kann eine Nagelspangenbehandlung versucht werden, bevor als Ultima Ratio eine operative Nagelteilresektion (Phenolisation, Emmert-Plastik) durchgeführt wird. Die komplette Nagel­extraktion ist auch hier absolut obsolet und führt nur zu noch mehr Traumatisierung.

In der Klinik sieht man meist einen Symptomenkomplex aus Onychodystrophie, subungualen Hyperkeratosen und subungualem Hämatom, in der Folge dann auch eine Onychomykose, die sich im vorgeschädigten, brüchigen Nagel festsetzt. Bei Fußballern sind meistens die Großzehen und die zweiten Zehen betroffen. Bei Läufern werden dagegen eher die lateralen Zehen traumatisiert (s. Fortschritte der praktischen Dermatologie, Haut und Sport,  2006, Syndrom des traumatisierten Zehennagels). Um diesen „Teufelskreis“ zu unterbrechen, sollten die beschriebenen Präventionsmaßnahmen durchgeführt werden.

Behandlung von Blasen

Blasen entstehen durch das Zusammenspiel von Hitze, Feuchtigkeit und Reibung. Häufigste Ursachen sind schlecht sitzendes Schuhwerk und schlecht sitzende Socken, feuchte Füße und ungewohnte Belastungen. Durch das Aneinanderreiben von Haut und Strümpfen im Schuh lösen sich die Hautschichten voneinander und die Zwischenräume füllen sich mit Flüssigkeit. Prall gefüllte Blasen sollten steril aufgestochen werden, um den Inhalt (Wundsekrete und Blut) zu entleeren. Hierbei sollte man darauf achten, das komplette Blasendach zu erhalten. So können Infektionen vermieden werden. Sollte es zu einer Infektion gekommen sein, muss antibiotisch behandelt werden. Ist das Blasendach zerstört, helfen sehr dünne Hydrokolloidgelpflaster, welche die wunde Haut schützen und den Heilungsprozess beschleunigen.

Beim Umsteigen auf einen neuen Schuh oder auch beim Wechsel des Modells sollten bekannte „Schwachstellen“ des Spielers in Bezug auf die Druckbelastung unbedingt berücksichtigt werden. Das Anprobieren sollte nachmittags oder abends erfolgen. Oft kann eine Besserung der Beschwerden schon durch das Weiten des Schuhs in dem problematischen Bereich durch einen Fachmann erreicht werden. Um die Reibung zu minimieren, können die Füße vor dem Training zum Beispiel mit Vaseline eingerieben werden. Die Spieler müssen lernen, schon auf kleinste Falten in den Socken zu achten.

Schmerzhafte Verhornungen

Die chronische und häufige Folge der hohen Belastung und des Tragens enger Fußballschuhe sind stark schmerzende Verhornungen (Hyperkeratosen) und Clavi, besonders im Bereich der Kleinzehe. Hier sollte rasch eine vorsichtige Kürettage mit anschließender Druckentlastung erfolgen, da Clavi sehr einschränkend für den Spieler sein können. Bei längerem Bestehen droht zusätzlich eine eitrige Entzündung unter der Verhornung. Zur Druckentlastung verwenden wir ebenfalls Hydrokolloidgelpflaster.

Mechanische Nagelverletzungen

Ein subunguales Hämatom ist ein Hämatom, das sich unter die Nagelplatte ergießt. Bei frischer Einblutung bringt eine sofortige Nagel­trepanation eine Entlastung, was den Verlust des Nagels eventuell verhindern kann. Dies wird jedoch nur bei einem ausgeprägten Befund empfohlen, da die Verletzung der Nagelplatte das Eindringen von Bakterien begünstigt und ein Nagelpanaritium entstehen kann.

Bei Ablösen des Nagels sollte der alte Nagel solange wie möglich als Schutz des Nagelbettes erhalten werden, notfalls mit Tape fixiert. Dunkle Verfärbungen unterhalb des Nagels, die länger unverändert bestehen, sollten trotz des häufigen Auftretens von Hämatomen im Profisport kritisch hinterfragt und im Zweifelsfall näher untersucht werden. Das bekannteste Beispiel ist die Krankengeschichte des Musikers Bob Marley, der auch ein leidenschaftlicher Fußballspieler war. Bei ihm wurde eine schwarze Verfärbung an der Zehe zu spät als metastasiertes akrolentiginöses Melanom erkannt. Er verstarb an der Erkrankung.

Empfehlung

Aufgrund des häufigen Auftretens von Haut­erkrankungen bei Sportlern ist eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig, um eine optimale Betreuung der Sportler zu gewährleisten.

 

Eine Literaturliste finden Sie online unter
www.s-ae-z.de/1045

Zurück

Die Autorin

Dr. med. Susanne Greve ist Fachärztin für Dermatologie, Venerologie und Phlebologie. Von 1999 bis 2006 war sie an der Hautklinik im Klinikum Darmstadt tätig. Seit 2007 ist sie in der Fachärztlichen Gemeinschaftspraxis Dermatologie und Phlebologie, Dres. med. Greve & Polley, mit angegliedertem Kosmetik­institut in Darmstadt selbstständig. Seit neun Jahren betreut Dr. Greve die Fußballer des SV Darmstadt 98, seit 2013 ist sie offizielle Kooperationspart­nerin des Vereins.

Service

Zurück