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Golfmedizin

Verletzungen, Beschwerden und Schwunganalyse

Der Trend geht heutzutage immermehr hin zu einem individualisierten und auf jeden einzelnen genau angepassten Schwung. Was für den Jogger oder Leichtathleten die Ganganalyse ist, ist für den Golfer die Schwunganalyse.

Einen kleinen weißen Ball mit High-Tech Ausrüstung und ohne Zeitvorgabe in ein deutlich größeres Loch zu befördern wirkt erst einmal alles andere als sportlich. Auch wenn die führenden „Athleten“ jünger, muskulöser und der Sport seit 2016 wieder olympisch ist, wird der Golfsport nach wie vor, auch von sport­ärztlichen Kollegen, mit unter belächelt.

Doch die Komplexität der Bewegung, gepaart mit der hohen Repetition, führt auch bei korrekter Ausführung häufig zu körperlichen Beschwerden. Es gibt kaum eine zweite Sportart, bei der so häufig zu Analgetika gegriffen wird. Logischerweise, weil Golf gleichzeitig eine Sportart mit vergleichsweise hohem Durchschnittsalter ist. Dennoch sollte man leidende Golfer ernst nehmen, da bereits im adoleszenten Alter eine sehr hohe Verletzungsrate, meist in Form von reinen muskulären Überbeanspruchungen herrscht, wohingegen sogar strukturelle Läsionen mit steigendem Alter (> 55 J.) eine zunehmende Rolle spielen [1].

Während Verletzung der oberen Extremität sowohl funktionell als auch statistisch eine untergeordnete Rolle spielen, seien hier vor allem das Handgelenk und die Fingergelenke als Verbindung zum Schläger erwähnt. Häufig können hier nur noch symptomatische Therapieansätze erfolgen, da Schmerzen in diesen Regionen meist arthrotischer Genese sind. Verletzungen der Ellenbogen sind meist enthesiopathischer Herkunft und meist Ausdruck einer ausgeprägten Fehlbelastung. Hierbei sollte frühzeitig an präventive Maßnahmen im Sinne einer Schwunganpassung gedacht werden.

Die Schulterregion spielt für die korrekte Ausführung des Golfschwungs biomechanisch eine untergeordnete Rolle [5, 6], so dass Beschwerden dieser Region zum einen ebenfalls auf falsche Belastungen hindeuten, zum anderen komplexe Eingriffe bis hin zum endoprothetischen Schulterersatz kein Hindernis für Golf darstellen. Dies spielt in der präopera­tiven Beratung bei der steigenden Zahl von Rotatorenmanschetten-­Rekonstruktionen eine wichtige Rolle [7, 8]. Typischerweise leidet der lumbale Wirbelsäulenabschnitt aufgrund der Biomechanik des Golfschwungs am meisten. Daran haben auch Veränderungen in der Golfschwungdidaktik oder die Schwundindividualisierung der Top Athleten über die letzten Jahrzehnte nicht viel geändert [2 – 4]. Je nach Pathologie, Alter des Patienten und sportlichem Anspruch sollte bei einer präventiven Beratung auch die grundlegende Anpassung des Golfschwungs in Betracht gezogen werden. Tiger Woods’ ehemaliger Schwungcoach Sean Foley formulierte bereits 2012 öffentlich, dass ein absehbar zu Verletzungen führender Golfschwung nicht zu tolerieren sei – egal wie erfolgreich man damit wäre. Tiger Woods beendete die Zusammenarbeit mit Foley 2014. Den weiteren Verlauf seiner Karriere kennen leider sogar die weniger Golfinteressierten.

Fallbeispiel

Herr S. ist in unserer Golfsprechstunde mit unterem Rückenschmerz vorstellig und berichtet, hin und wieder Schmerzen im unteren Rücken zu haben. Vermehrt treten diese jedoch nach dem Golfspielen auf, weshalb Herr S. schon prophylaktisch vor jeder Golfrunde NSAR einnimmt. Nach der körperlichen Untersuchung, Röntgen und MRT Diag­nostik ist die Diagnose Spondylarthrose und geringgradiger Nukleus Pulposus Prolaps L4/5 gestellt. Da der Patient angibt, hauptsächlich beim Golfen Schmerzen zu haben, wird in einem separaten Termin eine videogestützte Golfschwunganalyse durchgeführt. Hier zeigt sich eine vermehrte Vorneigung schon in der Setup Posi­tion. Ebenfalls wird ein sehr hoher Crunch-Faktor festgestellt. Der Crunch Faktor wurde von Sugaya et al. (1979) beschrieben und ist das Produkt aus lateraler Rumpfflexion und axialer Rumpfdrehgeschrindigkeit. Dieser ist einer von vielen Schwung­parametern und sollte insbesondere bei Rückenschmerzpatienten besonders gering ausfallen. Dies kann man durch kleine Veränderungen im Schwungverhalten erreichen. Unter anderem durch eine En Bloc Drehung des Körpers während des Schwungs. Wichtig ist hierbei ebenfalls das Equipment zu beurteilen. Der Pa­tient hatte deutlich zu kurze Schlägerschäfte, was die Vorneigung und die Verwringung des unteren Rückens in der Impactphase erhöht. Mit diesen verändernden Maßnahmen und mit zusätzlicher segmentaler Stabilisierung mittels Krankengymnastik kann der Patient bis heute beschwerdearm Golfen und hat dadurch auch im Alltag profitiert. 

 

Das Literaturverzeichnis kann unter info@thesportgroup.de anfordert werden.

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Die Autoren

Dr. med. Christopher Weller und Dr. med. Michael Mecner absolvierten ihr Medizinstudium in Ulm. Sie gründeten das Kompetenznetzwerk Golfmedizin Stuttgart (www.golfmedizin-stuttgart.de) mit dem Ziel, eine bestmögliche medizinische Betreuung für Golfer zu leisten. Inzwischen betreuen die beiden Ärzte Golfmannschaften der deutschen Golfliga und waren u.a. für die medizinische Betreuung des Solheim Cup 2015 verantwortlich.

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