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Einsatz von Kälte

Kyrotherapie in der Sportmedizin

Die Kryotherapie stellt nach wie vor ein wesentliches Element in der Sportmedizin, hier insbesondere bei frischen Verletzungen und chronischen Überlastungsproblemen, aber auch in der Orthopädie/Unfallchirurgie und in der Rheumatologie dar. Dr. Peter Keysser gibt einen Überblick über aktuelle Methoden auf diesem Gebiet.

In der Behandlung frischer Sportverletzungen ist die Kryotherapie im Rahmen des so genannten PECH-Schemas (P = Pause, E = Eis, C = Compression, H = Hochlagern) nach wie vor häufig geübte Praxis. Neben den klassischen Applikationsformen, wie Eisbeutel, Coldpack, Vereisungsspray und Kaltluftanwendungen, sind in den letzten Jahren auch weitere Applikationsformen, wie z. B. die so genannte Kältekammer, nicht zuletzt durch die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien vor zwei Jahren die „Eistonne“ und auch Kältemanschettensysteme in den Fokus gerückt, mit denen spezielle Krankheitsbilder behandelt werden. Im Folgenden soll insbesondere zur Kältekammer, zur so genannten Eistonne und zu den manschettengestützten Kryosystemen Stellung bezogen werden.

Eistonne

Die so genannte Eistonne (Kaltwasserimmersion) ist insbesondere durch das Interview des Fußballers Per Mertesacker nach dem Achtelfinalspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft in aller Munde gewesen. Hierbei werden Regenerationsvorteile für die Muskulatur nach sportlichen Höchstleistungen erwartet, was in der Folge zu einer verstärkten Muskeldurchblutung und einer verkürzten Regenerationsdauer sorgen soll. Bleakley et al fanden in einer Auswertung von 17 Studien Hinweise, wonach die Kaltwasserimmersion wirksam gegen Muskelkater sein könnte, unter gleichzeitigem Hinweis auf die niedrige Qualität der durchgeführten Studien (1). Unter anderem seien mögliche Komplikationen (Kälteschäden, Kreislaufreaktionen etc.) nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Kältekammer

Bei der so genannten Kältekammer handelt es sich um eine technisch aufwendige Apparatur, in der bei bis zu ca. –110 °C Kälte in kurzer Einwirkzeit positive Effekte insbesondere bei entzündlich-rheumatischen Systemerkrankungen, bei weichteilrheumatischen Erkrankungen (Fibromyalgie), bei weiteren chronischen Schmerzsyndromen, aber auch bei Hauterkrankungen, wie der Neurodermitis und bei Sportverletzungen beschrieben werden. Insbesondere in der Rheumatologie hat die so genannte Kältekammertherapie seit Mitte der 1990er Jahre geradezu einen Boom erlebt, der in der Zwischenzeit jedoch wieder abgeschwächt zu sein scheint. Zum einen können doch relativ häufig Zwischenfälle, wie Kälteschäden an der Haut, an den Atmungsorganen, aber auch schwerwiegende Kreislaufreaktionen bis hin zu Notfallsituationen beobachtet werden. Des Weiteren ist das Verfahren technisch sehr aufwendig und damit teuer und schließlich ist ins besondere beim chronifizierten Schmerzsyndrom vom Fibromyalgietyp eine negative Leitlinienempfehlung aus gesprochen worden. Dahingegen wird die Methode häufig im Leistungssport, so u. a. in der Fußballbundesliga (siehe z. B. Bayer 04 Leverkusen) eingesetzt.

Manschettengestützte Kältetherapie

Handmanschette
Eine in der Orthopädie und Rheumatologie recht neue Methode der Kryotherapie ist die manschettengestützte Kältetherapie, bei der durch ein Manschettensystem an der betreffenden Körperregion Wasser mit einer Temperatur von 10 – 15 °C gepumpt wird und bei einer Anwendungszeit von ca. 10 – 20 Minuten eine milde, aber nachhaltige Kryotherapie stattfindet. Vorteil der Methode ist, dass Kälteschäden oder sonstige unerwünschte Wirkungen nahezu ausgeschlossen sind. In eigenen Untersuchungen konnten wir zunächst Erfahrungen mit der Anwendung an den großen Gelenken bei Patienten mit Endoprothesenoperationen, posttraumatischen Veränderungen inklusive Sportverletzungen, aber auch konservativ behandelten Rheumapatienten sammeln. Bei 192 durchgeführten und dokumentierten Therapien wurde in 164 Fällen nach der Therapie eine geringere Schmerzintensität angegeben, in 26 Fällen eine gleichbleibende und nur bei zwei einzelnen Therapien eine leicht verstärkte Schmerzintensität. Im Durchschnitt sank die Schmerzintensität auf der visuellen Analogskala von 4,9 vor der ersten Therapie auf 1,6 nach der letzten Therapie. Unerwünschte Ereignisse oder Komplikationen wurden nicht registriert. Im weiteren Verlauf wurde zunächst mit einem Prototyp und dann einem serienreifen Modell einer Handmanschette bei unseren Patienten die Kryotherapie an den Händen durchgeführt.

Schmerzintensität vor und nach der Kyrotherapie mit Manschettensystem
Dabei handelt es sich sowohl um Patienten mit postoperativen Situationen nach handchirurgischen Eingriffen als auch um Patienten mit entzündlichrheumatischen Veränderungen der Hände oder Veränderungen im Rahmen schwerer Fingerpolyarthrosen, auch hier zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Schmerzintensität. Auf der visuellen Analogskala bei 50 standardisiert erfassten Therapien wurde in drei Fällen ein gleichbleibender Schmerz vor und nach der Therapie angegeben, in 47 Fällen kam es zu einer Verbesserung der Schmerzintensität auf der visuellen Analogskala (durchschnittlich 1,78 Punkte Verbesserung auf der 10-stufigen VAS), in keinen Fall kam es zu einer Schmerzverstärkung, zu unerwünschten Reaktionen oder gar Komplikationen.

Fazit

Diagnosen der mit Handmanschette behandelnden Patienten
Diagnosen der Patienten, die mit der Kältemanschette für große Gelenke behandelt wurden
Die Kryotherapie als Element der Thermotherapie wird seit jeher in der Sportmedizin, aber auch in der operativen und konservativen Orthopädie/Unfallchirurgie und Rheumatologie angewendet. Die Applikationsformen sind vielfältig, von den so genannten Eisbeuteln, Eiskompressen, Eissprays über kalte Luft und kalte Wickel bis hin zu technisch aufwendigen Verfahren, der so genannten Kältekammer, der „Eistonne“ und der Kältemanschettensysteme findet sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Insbesondere bei der unmittelbaren Anwendung von Eis, aber auch bei der Anwendung in der so genannten Kältekammer, sind Kontraindikationen und Risiken, wie Kälteschäden und Kreislaufreaktionen, zu beachten. Letzteres gilt gerade auch für die so genannte Eistonne, diese sollte nur bei Sportlern bzw. Patienten ohne kardiovaskuläres Risiko angewendet werden, eine entsprechende Überwachung ist erforderlich. Die Anwendung der gerätegestützten Kryotherapie mit Kältemanschetten und einer Applikationstemperatur von 10 – 15 °C erscheint dagegen weitgehend risikofrei, führt zu messbaren Schmerzreduktionen und ist nicht zuletzt durch die inzwischen entwickelten mobilen Geräte auch jederzeit im Training und bei Sportwettkämpfen verfügbar.

(1) Chris Bleakley, Suzanne McDonough, Evie Gardner, G. David Baxter, J. T. Hopkins, Gareth W. Davison: Cold-water immersion (cryotherapy) for preventing and treating muscle soreness after exercise. The Cochrane Library 2012. Nr. 2

Fotos: © istockphoto.com, Redgreen26

 

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Der Autor

Dr. med. Peter Keysser ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Sportmedizin, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Osteologe (DVO) und Sozialmedizin. Er ist Chefarzt der Abteilung Rehabilitation – Orthopädie und Rheumatologie, Waldburg-Zeil-Kliniken, Klinik Oberammergau und betreut dort in der sportmedizinischen Sprechstunde schwerpunktmäßig Patienten aus den Sportarten Tennis, Gebirgs- und Wintersport.

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