Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Zum Artikel

Dr. med. Kurt Mosetter
Der Konstanzer Arzt und Heilpraktiker Dr. med. Kurt Mosetter gehört seit 2011 zum medizinischen Team der Fußball-Nationalmannschaft der USA von Jürgen Klinsmann.

Robert Erbeldinger, Geschäftsführer der sportärztezeitung, sprach mit dem extrem motivierten Teamarzt über Sportmedizin und die Bedeutung moderner physiotherapeutischer und konservativ orthopädischer Therapieformen.

Zurück

Das ist moderne Sportmedizin

Warum Stoßwellen- und Myoreflextherapie eine zentrale Rolle bei der erfolgreichen Behandlung spielen, erklärt Kurt Mosetter, Mannschaftsarzt des US-Soccer-Teams

mosetter_kliensmann_loew
© M. Gilliar/GES-Sportfoto

sportärztezeitung: Lieber Kurt, wie läuft die tägliche Arbeit als Teamarzt der US-Nationalmannschaft ab?

Kurt Mosetter: Vorab muss ich herausstellen, dass die Arbeit mit einem  außergewöhnlichen Menschen und vordenkenden Trainer, wie ihn Jürgen Klinsmann verkörpert, leicht fällt. Wir arbeiten das ganze Jahr über eng zusammen, sind aber immer nur eine kurze Zeit tatsächlich gemeinsam am selben Ort. Darum ist diese Arbeit stets eine ganz besondere Herausforderung. Die medizinische Abteilung des US-Soccer-Teams besteht aus dem Doc und Notfallmediziner George Chiampas, den Physiotherapeuten Sue Falsone und Jeremy Hassler, dem Athletic-Trainer Masa Sakihana, unserer Myo-Truppe mit dem sehr erfahrenen und überragenden Myoreflex- und Sportphysiotherapeuten Niklas Albers.

Niklas ist bei allen Camps, Spielen und Wettbewerben mit dabei. Er stellt eine wichtige integrative Schnittstelle zwischen den verschiedenen Teilen im medizinischen Team und den Trainern dar. So ist Niklas ein guter Freund von unserem Co-Trainer Andy Herzog, er genießt das absolute Vertrauen von Jürgen Klinsmann, und in einer perfekt eingespielten Strategie bildet er mit mir eine Brücke für die Betreuung der in Europa spielenden Profis, auch außerhalb der Nationalmannschaft.

Als willkommene Unterstützung besucht uns darüber hinaus Oliver Schmidtlein. Auch seine Fachkompetenz beinhaltet Sportphysiotherapie, Myoreflextherapie und Athletik-Training. Hier arbeiten Freunde zusammen. In kurzer Zeit lassen sich so viele Dinge steuern, vorwiegend die muskuläre Synchronisation, Schwachstellen-Analyse, Muskel-Faszien-Längentraining, Beseitigung von Störfeldern, Mental-Kooperation mit dem Team, Mikro-Nährstoffanalyse und die individualisierten Behandlungs- und Trainingspläne.

Besonders wichtig dabei ist, dass dies alles gemeinsam im Team organisiert wird und alle Akteure eingebunden werden. Vom Trainer über das Medical-Team bis hin zu einem speziellen Teamkoch, der nach unserem Stoffwechsel-Lernplan, dem Glykoplan kocht. So kommen gesunde Zucker wie Galactose und Ribose im Essen und in den Sportgetränken zum Einsatz. Die Spieler und ihre Clubs bekommen Kochrezepte zugeschickt, und die Notwendigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln wird immer wieder von allen Seiten erklärt. Man könnte sowohl diese einzelnen Bausteine, als auch deren Vermittlung durch das „Team hinter dem Team“ als Anleitung und Inspiration zu mehr Selbstverantwortung verstehen. Das geht in Richtung Persönlichkeitsentwicklung. Wir haben den Eindruck, dass eigentlich alle Verantwortlichen und Spieler Jürgens Konzept verstanden haben.

sportärztezeitung: Du hast Ernährung erwähnt. Welche Rolle spielt sie im Leistungssport?

Mosetter: Sporternährung ist für uns ein ganz zentrales Thema. Dabei gibt es klare Messages, die für jeden Sportler in seinem Profil verankert sind: avoid sugar, eliminate softdrinks, take Omega 3 and eat organic! Hier ist viel Aufklärung notwendig. Am Buffet gibt es zuckerarme Früchte, viele Nüsse, Mandel- und Kokosmilch, Kokoswasser, Wildfang-Fisch, Bio-Weiderind, viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Ziegen- und Schafskäse, schwarzen Reis, Amaranth, Quinoa, Hirse und sehr wenig leere Kohlenhydrate. Wir müssen die Spieler in der knappen Zeit motivieren und inspirieren, damit dies auch in ihren Clubs individuell umgesetzt wird. Eigeninitiative ist hier gefragt. Als Backup stehen wir dann natürlich jederzeit zur Verfügung.

sportärztezeitung: Fußball und Sportmedizin. Kannst Du uns das Zusammenspiel von Trainer, Arzt und Therapeut erläutern?

Mosetter: Denken wir an die vergangene Bundesliga-Saison und die vielen verletzten Spieler. Bayern München zum Beispiel hat deshalb vor der neuen Saison viele Millionen in umfassende medizinische Maßnahmen investiert. Jürgen Klinsmann installierte weitsichtige, ganzheitliche und auf Prävention ausgelegte medizinische Konzepte in der US-Nationalmannschaft schon bei seinem Amtsantritt im September 2011. Einige wesentliche Säulen sind darin die Myoreflextherapie, KiD-Übungen, umfassende Athletik, Ernährungssteuerung, High-Tech-Labor- und Mikronährstoffanalysen über das Kompetenznetzwerk von Prof. Dr. Elmar Wienecke sowie gezielte Nahrungsergänzungen. Der entscheidende Punkt ist sicherlich, dass in diesem Sinne alle als Team ganz eng zusammenarbeiten. Therapeuten, Ärzte und Sportwissenschaftler müssen perfekt abgesprochen dem Trainer zuspielen und ihm den Rücken frei halten. Vertrauen spielt eine große Rolle, auch im Umgang mit den Spielern. Prävention und auch Therapie sind ohne Vertrauen überhaupt nicht möglich.

dr_mosetter
© M. Gilliar/GES-Sportfoto


sportärztezeitung: Welche Rolle spielt die Myoreflextherapie in Deiner Arbeit? Wie sind Deine Erfahrungen mit der Stoßwellentherapie?

Mosetter: Die Myoreflextherapie spielt eine zentrale Rolle in meiner Arbeit als einer der Teamärzte. Mittlerweile nutzen alle US-Nationalspieler ohne Ausnahme die MRT, sogar in ihrer Freizeit. Gerade Spieler aus der deutschen Bundesliga kommen regelmäßig zu mir nach Konstanz und nutzen das Angebot. Seit Januar 2015 habe ich meine Arbeit mit der Stoßwellentherapie dank einer Kooperation mit dem Schweizer Hersteller EMS Electro Medical Systems erweitert und bin darüber sehr froh. Es ist die perfekte Ergänzung unserer Arbeit im Bereich der Regeneration und Rehabilitation, aber auch zur Prävention – besonders muskulär.

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dem radialen Stoßwellengerät Swiss Dolorclast gesammelt. Diese Qualität benutzen wir gerne zur Faszienbehandlung am Tractus iliotibialis oder an den starken Faszienschichten über der Lendenwirbelsäule. Ich kann somit individuell mit unterschiedlichen Frequenz-Stärken und maßgeschneiderten Eindringtiefen arbeiten. Zu Beginn der Therapie können schwache Reize die Heilungswege eröffnen, an einigen tief versteckten Punkten können kurze starke Impulse wichtige Lösungen ermöglichen und über einigen oberflächlichen Faszien können wir in der Kombi mit unseren aktiven Stretch-KiD-Übungen sogar Trainingsreize setzen und Schwachstellen ausmerzen. Dieses fokussierte Stoßwellengerät ist ideal, um die Nadel beziehungsweise die Injektion zu vermeiden, gerade bei tiefer liegenden Stellen, die nur schwer greifbar sind. Somit erfolgt eine nicht-invasive und schonende Behandlung. Grundsätzlich bewerte ich die physikalische beziehungsweise geräteunterstützte konservative Therapie, wie die Stoßwelle eine ist, als ideale Unterstützung, Erweiterung und Erleichterung der Arbeit von nicht-invasiv und somit konservativ arbeitenden Ärzten, Physiotherapeuten und Myo-Heilpraktikern.

Es kommt natürlich darauf an, wie gut die Therapeuten mit dieser Behandlungsmethode vertraut beziehungsweise darin geschult sind. Es ist gut, wenn sich verschiedene Maßnahmen ergänzen oder auch alternierend ihre Aufgaben erfüllen. Die Doppelbehandlung mit der neuromuskulären Myoreflex-Stimulation und diesen medizintechnisch weit entwickelten Schallwellen wirkt hervorragend und wird von unseren Kunden sehr dankbar angenommen. Im Mittelpunkt unseres Praxisver­bundnetzwerks, dem Zentrum für interdisziplinäre Thera­pien (ZiT) Konstanz, läuft diese Kombi so hervorragend, dass unsere Teams in Gutach, Herrenberg und Köln ebenfalls gerne „aufgerüstet“ werden möchten.

sportärztezeitung: Wie hat sich die Rolle der konservativen Sportmedizin verändert, und welchen Stellenwert wird sie in fünf Jahren haben?

Mosetter: Die Rolle der konservativen, nicht operativen und nicht-invasiven Therapie ist leider in den letzten Jahren noch nicht so gewachsen, wie es nötig wäre. Aus der ärztlichen Ausbildung ist dieser Part sogar weitgehend verschwunden. Mittlerweile gibt es jedoch zum Glück wieder einen Trend zu mehr „Hands on“. Gerade aus der Richtung der modernen Sportmedizin, dem Leistungssport und Profifußball sollte dies unter anderem als Signal- und Trendgeber in Richtung des medizinischen Angebots für alle Patienten auch außerhalb des Profisports gewertet werden. Natürlich will man auch hier so schnell und effizient wie möglich, aber gleichzeitig nachhaltig und schonend arbeiten. Das Risiko für Folgeverletzungen muss in einem engen Miteinander von Reha und Athletik reduziert werden. Die Spieler sollten ihren Körper pflegen und präventiv arbeiten, auch für das Leben nach ihrer aktiven Karriere. Die interdisziplinäre Fußballmedizin kann hier Meilensteine setzen, auch für den „normalen“ Patienten und die breite Bevölkerung. All dies ist aber wiederum Teamarbeit, einer alleine kann wenig bewegen.

Flächendeckende integrative Therapie funktioniert nur, wenn viele mitmachen: Ärzte, Physiotherapeuten, Osteopathen, Fachkliniken, Operateure, Reha- und Athletiktrainer, Sportwissenschaftler, Trainer sowie Patienten. Je mehr es uns gelingt, die Menschen zu Eigeninitiative wie betreutem Muskeltraining zu inspirieren, umso besser. Das bringt uns alle weiter.

Zukunft und nachhaltiger Erfolg in der Fußballmedizin bedeutet für mich ein fachübergreifendes Miteinander ohne Wenn und Aber! Das Ziel muss Prävention sein. Dabei müssen alle Maßnahmen sinnvoll abgestimmt werden: Screening, Labordaten, Beobachtungen der Trainer, Feedback der Spieler, Operateure und Nachsorgepläne etc. Und auch die Sporternährung ist hier immer wieder zu erwähnen.

sportärztezeitung: Letzte Frage, bevor Du in den Mannschaftsbus musst, der schon zur Abfahrt bereit steht, – was verbindest du mit dem Begriff Fußballmedizin? (Wir trafen Kurt Mosetter in Köln vor dem Testspiel Deutschland – USA im Juni 2015, Anm. der Red.)

Mosetter: Teamarbeit, Interdisziplinarität, Ehrlichkeit und Vertrauen, ständig voneinander lernen – übertragbar auf die Sportmedizin allgemein und jeden Sportler wie Patienten.

Zurück

dr_mosetter_sporttaerztezeitung
© M. Gilliar/GES-Sportfoto

Zur Person

Kurt Mosetter entwickelte schon in den 1990er-Jahren die Myoreflextherapie. Dabei wird auf bestimmte Punkte am Körper Druck ausgeübt. So entspannen sich die Muskeln und Schmerzen lassen nach. Weitere Infos finden sie hier.

Zur US-Nationalmannschaft

us_soccer_team
© US Soccer

 

Service

Zurück