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Behandlung von Überlastungssyndromen

Experten-Talk

 

Eine Befragung der Teamärzte der 1. Basketball-Bundesliga durch die sportärztezeitung, durchgeführt von Robert Erbeldinger, Masiar Sabok Sir sowie Dr. med. Christoph Lukas und Dr. med. Kai Fehske.

In der letzten Ausgabe der sportärztezeitung (01/18) haben wir, in Kooperation mit unserem Beirat Dr. med. Jens Enepper, eine große Befragung der Fußball-Bundesliga Teamärzte zum Thema „Behandlung von Muskel- und Sehnenverletzungen“ durchgeführt, bei der die Mehrzahl der Vereine erstmalig in strukturierter Weise über ihr Vorgehen bei Muskelverletzungen berichteten. Die Resonanz auf diese Umfrage war extrem positiv. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, dies in ähnlicher Form auch mit den Teamärzten anderer wichtiger Sportarten durchzuführen und somit den Erfahrungsaustausch und den Transfer in die Praxis bis hin zum „normalen Patienten“ zu fördern. Wir geben Antworten und Lösungsansätze im Austausch mit anderen Teams/ Ärzten für Sie in der Praxis.

In dieser Ausgabe lesen Sie daher eine Befragung aller Basketballmannschaftsärzte der 1. Bundesliga-Teams zur Behandlung von Überlastungssyndromen, speziell dem Jumpers Knee. An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich für den Einsatz und die aktive Mitarbeit unserer beider Beiräte, Dr. med. Christoph Lukas, 1. Vorsitzender der BasketDocs, Deutsche Basketballärzte e.V. sowie Dr. med. Kai Fehske, 2. Vorsitzender der BasketDocs und Teamarzt von s.oliver Würzburg bedanken. Beide geben zunächst als Einleitung eine Übersicht zum Patellaspitzensyndrom.

Das Patellaspitzensyndrom im Basketball

Das Patellaspitzensyndrom oder auch Jumpers Knee ist die häufigste Überlassungsproblematik im Basketball. Wie der Name sagt, sind Sprungbelastungen ein Risikofaktor, vor allem rasche Steigerungen spielen hier mit hinein. Auch die körperlichen Voraussetzungen der Spieler sind entscheidend. Ein abgeflachtes Fußgewölbe, reduzierte Beweglichkeit im Sprunggelenk, Muskelverkürzungen sowie eine allgemeine Laxität erhöhen das Risiko. Ein klassisches Problem ist die relativ kurze Saisonvorbereitung. In ca. sechs Wochen müssen Athletiktraining, Taktikschulung und auch die Vorbereitungsspiele absolviert werden. Spieler, die in der Off-Season zu wenig an ihrer Fitness gearbeitet haben, sind dann für Überlastungsbeschwerden prädestiniert.

Im Hochleistungsbasketball werden diese von 32 % der Spieler beklagt, das heißt, dass jeder dritte aktive Profi unter einem Patellaspitzensyndrom leidet. Über die Hälfte (55 %) der Sportler hat oder hatte im Verlauf der Karriere Schmerzen im Bereich der Patellaspitze. Selbst im Breitensport zeigt sich eine erstaunlich hohe Prävalenz betroffener Sportler, 12 % im Basketball.

Beim Jumpers Knee handelt es sich um ein chronisches schmerzhaftes Überlastungssyndrom am osteotendinösen Übergang. Die Schädigung durch unzählige Mikrotraumata übersteigt letztlich die Regenerationsfähigkeit der Sehne. Von Lorbach wurde 2008 zudem ein Impingment der Sehne mit einem prominenten distalen Patellapol als Ursache postuliert, was erklärt, dass die degenerativen Veränderungen vor allem im dorsalen Sehnenanteil zu finden sind. Im Verlauf der Beschwerden kommt es dann zur Auflösung der parallelen Kollagenfaserausrichtung, Degeneration des Kollagengewebes und zum Ersatz von Kollagen Typ 1 durch Typ 3. Auch wenn häufig noch der Begriff Patellasehnen-Tendinitis verwendet wird, finden sich mikroskopisch keine Entzündungszellen. Es kommt jedoch zu Gefäßeinsprossungen, die von schmerzleitenden Nervenfasern begleitet werden.

Okalisationsverteilung des Patellaspitzensyndroms

Ultraschall Längsschnitt der Patellasehne bei chronischem Patellaspitzensyndrom eines Profi-Basketballspielers mit deutlichem Ödem dorsalseitig am prox. Patellasehnenansatz.

 

In diesem Zusammenhang haben wir drei Fragen an alle Teamärzte der 1. Basketball-Bundesliga gestellt:

1. Welche Sportverletzungen und Sportschäden treten bei Ihrer Arbeit mit den Basketballteams am häufigsten auf?

2. 1/3 aller Trainingsverletzungen ereignen sich in den beiden Vorbereitungsmonaten August und September. Dies könnte ein Hinweis auf eine zu hohe Trainingsbelastung und eine unzureichende Regeneration vor der Saison sein. Daraus entwickeln sich ebenfalls Überlastungssyndrome, wie z. B. das Jumpers Knee. Wie findet bei Ihnen die Untersuchung/Diagnostik und die Therapie statt – welche konservative Maßnahmen kommen zum Einsatz und spielt auch die operative Option eine Rolle?

3. Stichwort Prophylaxe – was tun Sie/Ihr Team, damit das Problem Jumpers Knee erst gar nicht auftritt bzw. welche präventiven Maßnahmen ergreifen Sie nach der Therapie des Jumpers Knee? Wie kann man in diesem Zusammenhang trotz des extrem engen Zeitplans und den vielen Spielen gerade auch den Bereich Regeneration im Basketball aufwerten und verbessern?

 

Dr. med. Kai Fehske, s.oliver Würzburg

1. In erster Linie handelt es sich um Verletzungen der unteren Extremität, vor allem Bandläsionen des Sprunggelenkes. Es zeigt sich auch eine Häufung von Muskelverletzung, hier vor allem der Hamstrings. Im Bereich der oberen Extremität kommt es regelmäßig zu Handverletzungen, wie Frakturen der Mittelhand oder auch Bandläsionen am Handgelenk. Typische Sportschäden finden sich klassischerweise am Kniegelenk (z. B. Patellaspitzensyndrom) und im Bereich des Rückens.

2. Die sogenannte Einstellungs-Untersuchung ist zunächst orthopädisch-orientierend, mit besonderem Fokus auf dem Kniegelenk und die Kniegelenk-umgebende Muskulatur, zumal das Patellaspitzensyndrom schon fast eine Berufskrankheit ist. Oftmals zeigt sich eine verkürzte Oberschenkelmuskulatur. Da ist vorrangig der therapeutische Ansatz, durch manuelle Therapie, Aufdehnung, konzentrisches Krafttraining das muskuläre Gleichgewicht wieder herzustellen. Hierdurch sind jedoch nur mittelfristig Erfolge zu erzielen. Die Spieler werden über die gesamte Saison physiotherapeutisch betreut. Bei einem neu aufgetretenen Patellaspitzensyndrom liefert die Sonographie in den meistens Fäll den eindeutigen Nachweis. In Ausnahmefällen oder auch zum Ausschluss von weiteren Schädigungen kann die Bildgebung um eine MRT ergänzt werden. In der Akutphase arbeiten wir systemisch (z. B. NSAR und Traumeel) und lokal antiphlogistisch. Bewährt haben sich Eisabreibungen, Einreiben mit z. B. Arnica-haltiger Salbe und Einwickeln in Frischhaltefolie für eine Stunde. Bei persistierenden Beschwerden kann die Therapie um Infiltrationen mit Traumeel oder Thrombozytemreichen Plasma ergänzt werden. Die Infiltration mit Corticoiden ist mittlerweile obsolet, auch aufgrund der lokalen Nebenwirkungen. Selten kommt es vor, dass als letzte Option die operative Versorgung vorgenommen werden muss. Hier handelt es sich um Resektion des erkrankten Gewebes und um Denervierung des Patellapols. Arthroskopische Verfahren haben sich hier durchgesetzt.

3. Siehe oben. Aufdehnung der gesamten Oberschenkelmuskulatur, konzentrisches Krafttraining. Auf die Trainingsplanung/Regenerationsphasen an und für sich habe ich als Mannschaftsarzt ehrlich gesagt bisher nur sehr wenig bis gar keinen Einfluss gehabt.

Dr. med. Lars Homagk, Mitteldeutscher BC

1. Sportverletzungen: Die häufigste Sportverletzung – mit Abstand – ist die Muskelverletzung im Sinne einer Muskelprellung (Hämatom) bzw. Muskelzerrung, seltener auch ein Muskelfaserriss. Die Häufigkeit ob mit Gegnereinfluss oder ohne ist insgesamt ausgeglichen. Es häufen sich jedoch die Muskelprellungen an den Spielwochenenden und die Zerrungen eher im Trainingsbetrieb unter der Woche. Über den Saisonverlauf betrachtet, verzeichnen wir 4 – 5 Muskelverletzungen (mit geringen strukturellen Schäden) pro Spieler und Saison haben – wobei es prädisponierte Spieler gibt. Häufiger sind die kleineren Spieler betroffen. Ferner ist das Knie häufig im Sinne von Distorsionen oder Schürfwunden betroffen. Sportschäden: Ein eher spezielleres Problem der Ballsportarten sind Überlastungen der Adduktoren und deren Ansätze am Sitz- und Schambein. Nicht nur als als direkte Traumafolge, sind sie die häufigsten Sportschäden bis hin zur Schambeinosteitis. Weiteren folgen degenerative Knie- und Sprunggelenksschäden.

2. Die zuvor genannten Überlastungsschäden treten in der Pre-Season weitaus häufiger auf. Unsere primären diagnostischen Parameter sind Anamnese (Wie oft trainierte der Spieler in der Off-Season etc.)  und die klinische Untersuchung, die häufig schon eine entsprechende Arbeitsdiagnose liefern kann. Weitere Diagnostika sind Sonographie und bei Verdacht auf knöcherne Beteiligung oder größere strukturelle Schäden auch CT oder MRT. Nahezu ausschließlich konnten wir konservativ agieren: Manuelle Therapie, Krankengymnastik, radiale Stoßwelle, ggf. Analgesie. In 2 Fällen haben wir die Adduktorentendinitis mit Begleitosteitis zusätzlich mit einer Langzeittherapie Ibuprofen und einer Minimalbelastung zur Ausheilung gebracht. Zudem hat die Kräftigung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur einen hohen Stellenwert im Athletikprogramm. Gleiches Prozedere gilt für das Jumper’s Knee, ist aber eher selten.

3. Vordergründig sehen wir die Prävention im Sinne einer optimalen muskulären Stabilisierung, sensomotorische Einlagen und Briefing der Sportler. Zudem versuchen wir durch den engen Kontakt zwischen Spieler-Physiotherapeut-Arzt, möglichst frühzeitig potentielle Überlastungsschäden zu erkennen. Wen Anzeichen einer Überlastung zu erkennen sind, reduzieren wir kurzfristig für wenige Tage die Belastung und intensivieren die physiotherapeutischen Maßnahmen. Wenn der Spieler bei unseren spezifischen Tests beschwerdefrei ist, kann er wieder ins Intensitätstraining einsteigen.

Dr. med. Ralf Hamann, BG Göttingen

1. Bei Sportverletzungen dominieren ganz klar die Muskelverletzungen und Sprunggelenksdistorsionen, mit weitem Abstand gefolgt von Verletzungen des Kniegelenkes (VKB-Ruptur, Meniskusläsion). Überlastungsschäden finden sich am häufigsten im Bereich der Patella- u. Quadrizepssehne.

2. In der Akutphase ist es eine klinische Diagnose. Die Sonographie dient zum Ausschluss anderweitiger Verletzungen und Dokumentation des Entzündungs-Ausmaßes. Die Akuttherapie besteht aus medikamentösen und lokalen antiphlogistischen Maßnahmen, Physiotherapie einschließlich Tonusregulierung der aufsteigenden und absteigenden Muskelketten, FDM-Techniken, Stoßwelle (ESWT) und ergänzend/begleitend K-Tape und ggf. Akupunkturbehandlungen. Für die (sub-) akuten und auch chronischen Verläufe hat sich zusätzlich die Eigenplasma-Therapie (ACP) etabliert. Die operative Option ist elektiv nur bei Beschwerdepersistenz bzw. Chronifizierung und entsprechender Beeinträchtigung des Spielers eine Alternative.

3. Intensive klinische und apparativ unterstützte Eingangsuntersuchung mit Funktionsanalyse zur Detektion von Prädeliktionsfaktoren und präklinischen Veränderungen, um dann gezielt angepasste therapeutische Maßnahmen, insbesondere im (sport) – physiotherapeutischen, funktionellen Bereich einzuleiten. Bei beginnenden Überlastungsanzeichen ist ein konsequentes, interdisziplinäres auch mit dem Coach abgestimmtes Vorgehen mit regenerativen und indikationsspezifischen Therapien unabdingbar, um die Sportfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten.

Dr. med. Moritz Morawski
Dr. med. Gert Schleicher, ALBA Berlin

1. Führend bei uns sind sicherlich die Tendinopathien an der Patellasehne („Patellaspitzensyndrom“) aufgrund der hohen (Sprung-)Belastung. Auch relativ häufig haben wir mit der Plantarfasziitis zu tun. Die häufigste Verletzung ist die OSG-Distorsion mit Außenbandverletzung.

2. Aus unserer Sicht ist der Hauptgrund dieser Problematik, dass viele Spieler in der Sommerpause gar nicht trainieren und dann zu Beginn der Vorbereitung voll loslegen, ohne den Körper wieder an die Belastung zu gewöhnen. Als Diagnostik nehmen wir zu Beginn der Saison bei jedem Spieler die Sonographie, die häufig chronische Veränderungen im Bereich des ­Patellasehnenursprungs zeigen. Hier ist es manchmal schwierig zu entscheiden, was akut und was chronisch ist. Gut ist dann, wenn man zum Vergleich bereits in der Vorsaison ein Bild gemacht hat. Bei akuter Schmerzhaftigkeit und Schwellung machen wir ein MRT, wo nicht selten bereits ein Knochenödem im Bereich der Patellaspitze zu sehen ist. Als Therapie nutzen wir neben der Belastungsreduktion die Stoßwelle und exzentrisches Training, was über einen langen Zeitraum angewendet wird. Im akuten Fall verwenden wir zunehmend die ACP-/PRP-Therapie, mit der wir recht gute Erfolge haben. Operativ mussten wir glücklicherweise bisher nicht vorgehen.

3. Aus unserer Sicht ist ein gleichmäßiger, kontinuierlicher Kraftaufbau der gesamten Beinmuskulatur wichtig, wobei v. a. auf die Hamstrings geachtet werden soll. Darüber hinaus achten wir auf ein gezieltes Stabilisationstraining und eine ausreichende Dehnung, da häufig die „Verkürzung“ der Muskulatur mit einem Patellaspitzensyndrom einhergeht. Auch das exzentrische Training wird in jede Trainingseinheit präventiv eingebaut.

Dr. med. Arun Chandra
Dr. med. Peter Hoos, EWE Baskets Oldenburg

1. Die häufigste Verletzung der von uns betreuten Basketballer ist sicherlich die Distorsion des Sprunggelenkes mit mehr oder weniger ausgeprägten Verletzungen des fibularen Bandapparates. Aber auch knöcherne Verletzungen des Fußes kommen durch die hohen Sprungbelastungen öfters vor. Überlastungsbeschwerden betrafen eher die Kniegelenke. Hier wäre z. B. das Jumpers Knee mit Reizungen an der Patellaspitze und Veränderungen der Patellasehne zu nennen. Beschwerden am Sprunggelenk z. B. durch Fehlstellungen oder Fehlbelastungen sind aber auch keine Seltenheit.

2. Die auch von uns beobachtete Problematik hat sicherlich unterschiedliche Gründe. Die gehäuften Verletzungen an der Patellasehne nach der Sommerpause sehen wir z. B. bei unseren Nationalspielern, die im Sommer nur eine kurze Regenerationsphase haben und auch schon während der Saison in dem Team eine tragende Rolle mit langen Einsatzzeiten haben. Auch der umgekehrte Fall mit Verletzungen durch eine Vernachlässigung des regenerativen Trainings mit leichtem aeroben Einheiten, koordinativem Training und Kraft­-training für dann fast 3 Monate ist gelegentlich zu beobachten. Wir sind auch währenden der spielfreien Zeit im Sommer immer für unsere Spieler erreichbar, so dass wir auch im Akutfall schnell handeln können. Dies gilt natürlich für die uns bekannten Spieler, schwieriger wird es bei den Neuzugängen, die ja üblicherweise erst im August zum Team stoßen. Operative Maßnahmen sind uns bisher erspart geblieben. Vielmehr arbeiten wir dann sehr eng mit dem Teamphysiotherapeuten (z. B. exzentrische Dehnungen und koordinative Schulung) zusammen. Ebenfalls haben wir mit Infiltrationen mit ACP in Verbindung mit Stoßwellentherapie sehr gute Erfahrungen gemacht.

3. Vor der Saison wird von uns mit funktionellen Tests wie z. B. dem FMS nach funktionellen Defiziten auch der unteren Extremität gefahndet. Außerdem wird durch eine Laufbandanalyse jedes Spielers versucht, Fehlstellungen und Fehlbelastungen frühzeitig zu begegnen. Während der Saison wird bei uns auf aktive Regenration geachtet. Exzentrische Dehnungsübungen sowie gezieltes Stabilisationstraining sollten Inhalte jeder Einheit sein. Auch eine aktive Pause in der Trainingsgestaltung mit dann kurzfristig anderen Trainingsinhalten (z. B. Aquajogging oder lockerem Indoor Cycling) können sehr hilfreich sein.

Dr. med. Michael Volkmer, Telekom Baskets Bonn

1. Am häufigsten treten Distorsionen und Bandverletzungen des oberen Sprunggelenkes, Verletzungen der Beinmuskulatur sowie in Abhängigkeit von der Altersstruktur eines Teams auch degenerative Knorpelveränderungen von Sprunggelenk und Knie auf. Die Muskelverletzungen sind meist niedrig- bis mittelgradig, die Knorpelveränderungen erfordern häufig eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Spieler, damit er auch selbst Spätrisiken durch den Leistungssport einschätzen kann.

2. Wir unterscheiden hier streng zwischen einer funktionellen und strukturellen Diagnostik. Als „Reihenuntersuchung“ werden vor Beginn der Trainingsaufbauphase eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung, eine 4D-Bewegungsanalyse sowie eine Myoline-Untersuchung durchgeführt, um verursachende Dysbalancen aufzuspüren. Ergänzt werden diese Informationen aber immer durch den Check unseres Athletiktrainers und unserer Physiotherapeuten. Bei suspekten Befunden komplettieren wir durch eine MRT Untersuchung. Therapeutisch versuchen wir funktionelle Defizite auszugleichen, z. B. durch Osteopathie, Einlagen oder individuelle muskuläre Stabilisation oder wir arbeiten mit Stoßwelle bzw. Exzentrik, zuletzt weniger mit Injektionen.

3. Hier ist die Kommunikation im gesamten Team einschließlich des Trainers richtungsweisend. Wir haben im Verein ein sehr gutes persönliches Verhältnis mit Trainern und ­Management. Die Akzeptanz für eine individuelle und aktive Regeneration ist Voraussetzung. Inhaltlich orientieren wir uns an den immer wieder überprüften funktionellen Defiziten, Selbsteinschätzungs-Scores oder versuchen, durch Gespräche auch die psychische Komponente einer drohenden Überlastungsreaktion zu identifizieren.

Dr. med. Christoph Lukas, BasketDocs e.V.

1. Bei den Verletzungen kommen sicherlich mit Abstand am häufigsten die Außenbandverletzungen am Sprunggelenk vor, die meisten Überlastungsbeschwerden betreffen das Knie, vor allem das Patellaspitzen Syndrom oder auch Jumpers Knee.

2. Nach gründlicher klinischer Untersuchung des Rückens und der gesamten unteren Extremität müssen die für die Problematik verantwortlichen Faktoren gefunden und beseitigt werden. An Bildgebung erfolgt standardmäßig eine Sonographie mit Gefäßdarstellung, je nach Bedarf auch Röntgen oder MRT. Es folgt der zeitnahe Beginn mit einer multimodalen Therapie mit, je nach Bedarf, Einlagen, Dehnübungen, Physiotherapie, gezielten Kräftigungsübungen und exzentrischem Training, Bandagen oder Kinesiotape, Stoßwelle, Akupunktur und, eher selten, Infiltrationen. Eine OP- Indikation sollte, wenn ein reines Patellaspitzensyndrom ohne Begleit-Verletzungen vorliegt, frühestens nach sechs Monaten frustraner konservativer Therapie überprüft werden.

3. Initial steht der Präventionscheck im Rahmen des medizinischen Eingangschecks und die nachfolgende Besprechung der Ergebnisse im medical team, sowie gezieltes Beüben der Schwächen/Verkürzungen/Dysbalancen der einzelnen Spieler durch individuelle Programme. Regelmäßige physiotherapeutische Präventionsbehandlungen, Regenerationseinheiten nach intensiven Trainings-/Spielbelastungen. Regeneration kann meines Erachtens nur durch sichtbare Erfolge aufgewertet werden, d. h. geringere Verletzungsraten und leistungsfähigere Spieler. Anders wird es nie gelingen, die Trainer zu überzeugen.

Dr. med. Holger Eggers, medi Bayreuth

1. Am häufigsten treten Bandverletzungen an Gelenken auf, das obere Sprunggelenk (Außenbandapparat) sei hierbei besonders erwähnt. Ansonsten zeigt sich beim verletzten Basketballer die typische Bandbreite des Ballsportlers mit muskulären Verletzungen/Überlastungen, Prellungen sowie Rückenbeschwerden.

2. Im absoluten Vordergrund der Diagnostik des Patellaspitzensyndroms (PSS) steht die Anam-nese und klinische Untersuchung. Zur genaueren Differenzierung des Ausmaßes (akut/chronisch) kommen dann ggf. apparative Diagnostik wie Sonographie und MRT zum Einsatz. Die Akuttherapie besteht aus Vermeidung der akuten Ursache, also Sportkarenz (Überlastung des Quadriceps), Cryotherapie, Spezialbandage (genumedi pss), NSAR oral/lokal sowie intensiver Physiotherapie. Auch die PRP-Infiltration (ACP) findet mittlerweile eine häufige Anwendung. Die Dauer der Therapie variiert natürlich sehr, bei kurzzeitigen Überlastungen kommt das PSS häufig innerhalb weniger Tage zur Ruhe. Nur bei chronischen Verläufen mit im MRT ausgeprägten entzündlichen Veränderungen der knöchernen Patella und absoluter konservativer Therapieresistenz (mind. 6 Monate) spielt die operative Therapie eine Rolle.

3. Die beste Verletzung ist die, die gar nicht erst passiert. Das PSS wird, wie viele andere Schäden an Sehnen, durch Überlastung und Verkürzung der (Oberschenkel)-muskulatur stark beeinflusst/verursacht. Diese wiederum von der LWS nerval innerviert. Hier liegt ein besonderes Augenmerk unserer prophylaktischen Arbeit. Während der gesamten Saison und insbesondere in der Vorbereitung werden die Athleten auf die Wichtigkeit einer stabilen Rumpf- und Körperstammmuskulatur hingewiesen, ein entsprechendes alltägliches Übungsprogramm wird durch Athletiktrainer und Physioabteilung durchgeführt. Viele Übungen aus Yoga und Pilates finden hier Anwendung. Amüsant und gleichzeitig alarmierend zeigt sich die meist vorhandene Schwäche und Instabilität der Körpermitte der ansonsten muskelbepackten Athleten, die dies erstmals erlernen. Muskeldehnung, Flexibilität, Faszientherapie und Entspannungsübungen sind ebenfalls wichtiger Bestandteil des Trainingsalltages.

Dr. med. Daniel Dornacher
Dr. med. Tugrul Kocak, ratiopharm Ulm

1. In unserer teaminternen Statistik führt bei den Verletzungen die „Distorsion des Sprunggelenkes“. 2. + 3. Ereignet sich eine Verletzung nicht auf dem Spielfeld, sondern im Training oder zeichnet sich eine Überlastung ab, findet zuerst eine Rückkopplung mit dem Team-Physiotherapeuten Andi Lacher statt. Hierdurch erhalten wir eine präzise Anamnese und eine erste Einschätzung des Problems. Da wir beiden Team-Docs an der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm am RKU angestellt sind, ist nach klinischer und oft auch sonographischer Untersuchung eine unverzügliche MRT-Untersuchung möglich. Die Diagnosestellung z. B. zum Umfang eines Kniebinnentraumas nimmt somit weniger als eine Stunde in Anspruch. Hiernach wird das Medical Team (Physiotherapeuten, Athletik- und Reha-Trainer) konzertiert informiert, die geplante Behandlung wird auf die Verletzung abgestimmt. Am Standort Ulm ist die Orthopädische Klinik direkt mit den Rehabilitationskliniken verzahnt, so dass eine tägliche Behandlung der Spieler vor und nach dem Training im Trainingszentrum, jedoch auch in der Klinik stattfinden kann.

Im konkreten Fall eines Jumper’s Knee würden wir neben einer Belastungsreduktion (der high-load Aktivitäten) physikalische Maßnahmen (Ultraschall, GelIontophorese) und eine manualtherapeutische Behandlung diskutieren. Selten kommen Patella-Bandagen zum Einsatz. Bei dieser Entität führen wir keine Injektionsbehandlungen oder eine Stoßwellentherapie durch. Da wir zudem die Nachwuchskader medizinisch betreuen, sehen wir nicht selten bei jugendlichen Spielern Überlastungssyndrome in Verbindung mit Ossifikationsstörungen des Kniestreckapparates, welche sich klinisch entsprechend einem M. Sinding-Larsen oder einem M. Osgood-Schlatter manifestieren. Die einzige chirurgische Behandlung einer Überlastungsreaktion des Kniestreckapparates, die wir überblicken, erfolgte bei einem jugendlichen Spieler mit einem konservativ therapieresistenten M. Osgood-Schlatter. Bei unseren Lizenz-Spielern trat bisher noch kein Fall einer Therapieresistenz oder Chronifizierung unter konservativer Behandlung auf, möglicherweise Dank eines umfangreichen, standardisierten pre-saison Screenings und dessen Konsequenzen: Abhängig vom persönlichen Risikoprofil absolvieren die Spieler in einem speziell hierfür vorgesehenem Zeitfenster (ca. 15 min) vor dem Training ein individualisiertes prehab-Programm, welches vom Athletik-Coach Sebastian Sieghart erstellt wird (siehe dazu auch Artikel in dieser Ausgabe auf Seite 52). Dieses wird im Saisonverlauf entsprechend der Ergebnisse von Kurztests adapiert. Nach der Belastung erfolgt eine Detoniserung mittels foam-rolling oder auch Dehnungsbehandlung, oft gefolgt von Kryotherapie. Der eng getaktete Spielbetrieb in der Basketball Bundeliga lässt im Gegensatz zu Individualsportarten leider keine ideal planbaren Kompensationszeiten zur Regeneration zu. Athletik-Coach Sebastian Sieghart legt Wert auf kompensatorisches Training nach harten Spieltagen. Zudem finden umfangreiche foamrolling und Muskeldehnungs-Programme ihren Platz. Die Zusammenarbeit mit einem Schwimmbad vor Ort lässt balneophysikalische Maßnahmen (Wechselbäder, Aqua-Jogging) zu. Als weiterer Baustein werden die Spieler hinsichtlich einer sportspezifischen Ernährung und Hydratation (Zusammensetzung, Timing) geschult, im Einzelfall werden auch Ernährungspläne erstellt.

Alexander Poblotzki, Eisbären Bremerhaven

1. Am häufigsten haben wir Prellungen, gefolgt von Überlastungszeichen, wie Jumper's Knee oder Achillodynie.

2. Klinische Untersuchung und Sonographie. Zumeist dann Vorgehen nach POLICE Schema. Bei Enthesiopathien erfolgen dann Behandlungen mit PRP bzw. ACP. Intensive physikalische Therapie und KG. Verletzungen, die einer OP bedurften, hatten wir glücklicherweise nicht.

3. Unser Athletiktrainer hat den Jungs ein Hausaufgabenprogramm mitgegeben, um die Mobilität zu erweitern. Zu jedem Training gehört ein Stretchingprogramm vor und nach der Belastung. Zudem erfolgen in jedem Training präventiv exzentrische Übungen für Achillessehne und Patellasehne. Außerdem wurde ­jedem Spieler eine einfache Patellamobilisationstechnik vermittelt.

Dr. med. Dr. med. dent. Andreas Först, Brose Bamberg

1. Die häufigsten Verletzungen betreffen Sprunggelenk (Kontakt und Non-Kontakt) und Finger (Kontakt), gefolgt von Rücken und LBH-Komplex sowie vorwiegend Kontaktverletzungen im Schulterbereich.

2. Ursächlich für die hohen Verletzungsraten in den Monaten August und September dürfte die hohe Trainingsbelastung in der Saisonvorbereitung in unmittelbarer Folge auf eine ausgedehnte Ruhephase sein. Dabei muss grundsätzlich konstatiert werden, dass für unser Team eine überproportional hohe Verletzungsrate in den Monaten August und September nicht festzustellen ist. Zur Vermeidung dieser (abzusehenden) Problematik erhält jeder Spieler, der im Team verbleibt, einen individuellen Trainingsplan, den er zu absolvieren hat, um einen athletischen „Grundtonus“ zu erhalten. Neu in das Team aufgenommene Spieler werden einer ausführlichen orthopädischen und funktionell-athletischen Diagnostik unter basketballspezifischen Gesichtspunkten mit Videodokumentation unterzogen, anhand derer individuelle Trainingspläne erstellt werden. Akute Überlastungssymptome werden frühzeitig einer MRT-Diagnostik zugeführt, um speziell im Kontext Jumper’s Knee strukturelle Sehnenveränderungen und Begleitpathologien (Hoffareizung, Knorpelschaden) zu erkennen und gezielt behandeln zu können. Therapeutisch wird hoher Wert gelegt auf die Behandlung der ventralen Kette (LBH-Komplex/Iliopsoas, Quadrizeps), Patellazentrierung, Detonisierung des Traktus, Beinachsenrotation und Aufrichtung/Stabilisierung des Fußgewölbes zur Detorsion des Unterschenkels. Parallel kommen Eis, Querfriktionen, Strom und Ultraschall zur Anwendung, Schröpftechniken sowie evtl. Akupunktur. Gleichzeitig wird die Ausrichtung des Athletiktrainings geändert, mit Betonung von exzentrischem Training und Antagonistentraining. Diese Übungen werden von den Spielern obligatorisch vor jedem Training und Spiel durchgeführt. Der Spieler bleibt dabei prinzipiell wenn möglich in das normale Teamtraining integriert. Abhängig von der Intensität und Dauer der Beschwerden findet ebenfalls frühzeitig eine lokale Therapie mittels ESWT statt, wobei meist die fokussierte und radiale Stoßwelle kombiniert werden. Bei weiterer Persistenz oder chronisch rezidivierenden Beschwerden erfolgt eine Injektionstherapie mit PRP.

3. Hohen Stellenwert im Trainingsplan besitzen regenerative Einheiten mit intensiven Elastizitäts- und Core-Stability-Übungen. Weiterhin wird ein differenziertes Training durchgeführt, in Abhängigkeit von der Spielbelastung der einzelnen Spieler. Zusätzlich wird versucht, trotz teilweise 3 Spielen in 5 Tagen mit wechselweise Heim- und Auswärtsspielen soweit wie möglich einen gewissen Rhythmus beizubehalten und durch entsprechende Planung der Reiseabläufe die Abwesenheitszeiten gering zu halten. Bezüglich der Ernährung werden den jeweiligen Hotels genaue Vorgaben bezüglich der Menüs übermittelt, die Spieler werden kontinuierlich supplementiert und es gibt im Heimatbereich eine feste Kooperation mit einem Restaurant, welches die Spieler jederzeit mit hochwertiger und ausgewogener Nahrung versorgt.

Dr. med. Detlef Stanek, Science City Jena

1. Unter den Akutverletzungen dominieren Sprunggelenksdistorsionen, Muskelprellungen und -zerrungen insbesondere im Oberschenkelbereich sowie Kniegelenksprellungen. Bei chronischer Symptomatik stehen Schmerzzustände der LWS-Beckenregion, überlastungsbedingte Schmerzsyndrome im Fuß- und Fersenbereich wie Metatarsalgien, Tendopathien der Achillessehne, des Kniegelenkes in Form des Jumper’s-/Runner’s Knee sowie Chondropathien des Kniegelenkes und des femoropatellaren Gleitlagers im Vordergrund.

2. In der Diagnostik und Therapie des Jumper’s Knee ist es zunächst wichtig zu unterscheiden, ob es sich bei diesem Schmerzzustand um ein funktionelles oder bereits schon um ein strukturelles Gesundheitsproblem handelt. Erfahrungsweise starten Beschwerden an der Patellarsehne meist nicht mit sofortigen Entzündungsreaktionen an der Kniesehne, sondern werden meist parapatellar bzw. paratendinös angegeben, häufig am medialen Patellaspitzenrandbereich und in der Region etwas oberhalb und am vorderen medialen Gelenkspalt sowie an der Bursa praepatellaris. Zur Diagnostik des funktionsgestörten Kniegelenkes ist eine Bewertung der Körperstatik, der Beinachse, der arthroligamentären Stabilität sowie der muskulären Balanceverhältnisse notwendig. Im Untersuchungsgang werden folgende Strukturen und Funktionen beurteilt (vereinfacht dargestellt): der unteren Extremität, LWS und Becken, Muskulatur und Faszien in diesem Bereich bezüglich Spannungszustand und Trigger-/Tenderpunkte. Aus diesem Untersuchungsgang ergeben sich meist Hinweise für muskuläre Dysbalancen, fasziale Restriktionen und Verkettungen von Funktionsstörungen, die häufig zu einem höheren Spannungszustand an der Patellarsehne mit Lateralisationstendenz der Patella sowie funktioneller medialer Instabilität und damit zu Schmerzen führen. Sehr häufig sind in diesem Zusammenhang initial Störungen der Funktion der unteren Sprunggelenke sowie der Beckengelenke zu finden. Ergeben sich Hinweise für Strukturläsionen erfolgt zusätzlich die bildgebende Diagnostik mittels MRT, um tendinöse und osteochondrale Veränderungen einzuschätzen bzw. auszuschließen.

Die Therapie gestaltet sich vielschichtig. Im Akutzustand erfolgt eine Ruhigstellung mittels Kinesiotapeverbänden und Knieentlastung und ggf. Sportpause von 1 – 2 Tagen oder mehr je nach Verlauf. Weiterhin werden Verbände mit arnika- oder NSAR -haltigen Salben, Zinkleim, Retterspitz äußerlich sowie Kälteapplikationen angewandt. Systemisch wird der Einsatz von Wobenzym, NSAR bzw. Cox 2-Hemmern bzw. auch die paratendinöse Applikation Traumeel/Procain- Injektionen abgewogen. In der weiteren Behandlung bzw. bei chronischen Verläufen ist eine konsequente Reduktion der arthromuskulären Funktionsdefizite durch eine adäquate physiotherapeutische bzw. manualmedizinisch/osteopathische Intervention notwendig. Das betrifft insbesondere die Funktionsstörungen im Bereich der Füße, der tibiofibularen Verbindungen und Becken sowie Balancestörung der Hamstrings, des Rectus ­femoris, des Vastus lateralis, des Tensor fasciae latae sowie des Tractus iliotibialis mit myofaszialen Release-Techniken, Therapie nach Typaldos (Fasziendistorsionsmodell) oder auch Flossing-Therapie. Im Weiteren ist eine Stabilisa­tion der Fuß- und Beinachse mittels Krankengymnastik (z. B. sensomotorische Fazilitation nach Janda) bzw. Funktionstraining aber auch der Einsatz von Kniegelenksbandagen, Korrektur- Tapeverbänden und sensomotorischen Einlagen notwendig. Dieses Vorgehen erstreckt sich in der Regel über die gesamte Saison. Sind chondrale Veränderungen festgestellt worden, ist der Einsatz von intraartikulär applizierter Hyaluronsäue sowie oralen glucosamin- bzw. chondroitinsulfathaltigen Präparaten zu diskutieren.

3. Initial wird am Beginn der Saisonvorbereitung eine eingehende klinische Untersuchung durchgeführt, die im orthopädischen Teil als einen Schwerpunkt eine differenzierte manualmedizinische arthromuskuläre und myofasziale Funktionsdiagnostik beinhaltet. Zur weiteren Einschätzung der individuellen Besonderheiten wird jeder Spieler mit einem Muskelfunktionstest nach Janda inkl. der Prüfung der dynamischen motorischen Stereotype, einem FMS nach Cook, einer videogestützen Laufbandanalyse, einer 4D-optischen Wirbelsäulen- und Haltungsanalyse sowie einer dynamischen Fußdruckmessung untersucht. In Auswertung dieser Untersuchungen werden gemeinsam durch Arzt, Physiotherapeut und Athletiktrainer Schwerpunkte für jeden Spieler benannt, die zu einer partiellen Individualisierung des Athletiktrainings bzw. Aufwärmroutinen, der Physioprophylaxe und/oder zu einer adäquaten Einlagenversorgung führen. In der Saisonvorbereitung und weiter in der Saison erfolgt eine tägliche online-Erfassung des subjektiven Belastungsgrades und der aktuellen Beschwerden durch Athletiktrainer und Physiotherapeut, um sich anbahnende Überlastungssymptomatiken frühzeitig zu erfassen. Entsprechend wird die Trainingsbelastung individuell angepasst und die Physioprophylaxe gestaltet. Über eine Kooperation mit der Firma Bauerfeind wird jeder Spieler am Beginn der Saison je nach Bedarf mit Knie- und Sprunggelenksbandagen versorgt. Im bzw. nach dem Training ist der Einsatz der Kryotherapie bzw. des Eisbades eine Routineoption. Für die Regeneration und Substitution kommen mikronährstoffhaltige Präparate, Mineralien und Vitamin D zum Einsatz. Situationen mit sehr hohen individuellen bzw. mannschaftlichen Spielanteilen erfordern Änderungen des Trainingsplanes mit Reduktion der Beinbelastung z. B. über den Einsatz von Wassergymnastik, Aquajogging bzw. Aquacycling oder adäquater Gymnastikformen sowie Wechsel des Bodenbelages beim Lauftraining.

Dr. med. Wolfgang Leutheuser, Gießen 46ers

1. OSG- Distorsionen und Überlastungsschäden am Kniegelenk.

2. Beginn mit zu hoher Trainingsbelastung. Die Spieler sind meist nach der Pause nicht in Bestform, versuchen aber, sich mit hoher Intensität dem Trainer und dem Verein zu präsentieren. Im Grunde passieren dann die Verletzungen aus ungenügender Vorbereitung bei zu hoher initialer Trainingsbelastung. Diagnostik: Jumpers Knee – a) Klinische Untersuchung: Proximaler Ansatz an der Patellaspitze oder distaler Ansatz Tuberositas tibiae, b) MRT. Therapie: Physiotherapie, ACP, Muskelaufbau, koordinatives Training.

3. Evaluierung der körperlichen Schwachstellen: Thorakale Stabilität? Lumbo-coxaler Übergang? Beinachsen? Muskuläre Insuffizienzen und Dysbalancen? Ganganalyse und Fussfehlstellungen?

Dr. med. Andreas Mehling
Dr. med. Jürgen Fritz
Prof. Dr. med.Philip Kasten
Dr. Bernhard Schewe
Amei Röhner-Zangiabadi, WALTER Tigers Tübingen

1. Am häufigsten beklagt werden Patellaspitzensyndrome, (Ansatz-) Tendinosen der Achillessehne und Fasziitis plantaris. Nicht selten treten auch Beschwerden in der Leiste („Sportlerleiste“) auf. Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen, Rupturen des Kapselbandapparates am Sprunggelenk und im Bereich der Finger. Gelegentlich sehen wir Ermüdungsbrüche der Metatarsalia oder der Tibia und Schulterluxationen.

2. Alle Spieler werden vor Saisonbeginn allgemeinmedizinisch und orthopädisch untersucht. Nicht selten ergeben sich hier Befunde, die eine Verpflichtung des Spielers aus medizinischen Gründen nicht erlauben. Im Rahmen der Untersuchung checken wir die typischen Triggerpunkte und führen spezifische Funktionstests durch. Auffällige aber vertretbare Befunde werden im Team (Ärzte | Coach | Fitnesstrainer | Physiotherapeuten) besprochen und ein individueller Behandlungs- und Trainingsplan für die Vorbereitungszeit erarbeitet. Operationspflichtige Befunde vor Saisonbeginn würden bei uns zum Ausschluss einer Verpflichtung führen.

3. Spieler, die für Ansatztendinosen anfällig sind, werden nach einer Belastung mit Eispackungen an den belasteten Punkten gekühlt. Regelmäßig muss nach Training und Spiel ausgelaufen werden. Ebenso werden Faszien mit der „Blackroll“ gedehnt, die jeder Spieler in seiner Sporttasche hat. Zur Prophylaxe gehören auch exzentrische Dehnübungen am Schrägbrett; selbst im Mannschaftsbus wird ein Schrägbrett mitgenommen. Eine intensive physiotherapeutische Betreuung gehört im Fall des Auftretens von Beschwerden zum Standard. Für betroffene Spieler halten wir zudem ein elektrisches Heizkissen hinter der Bank vor, mit welchem die Sehnen in der Spielpause warm gehalten werden können.

Dr. med. Wolfgang Raussen, FRAPORT SKYLINERS

1. Etwas mehr als die Hälfte aller Verletzungen im Basketballsport entfallen statistisch auf die unteren Extremitäten, ca. 30 % auf Verletzung der oberen Extremitäten. Der Rest verteilt sich in absteigender Häufigkeit auf Verletzungen des Kopfes, des Rumpfes und der Wirbelsäule.

2. Die Diagnostik des Jumper's Knees erfolgt im Rahmen der zeitnah durchgeführten klinischen Diagnostik. Additiv kommen je nach Symptomatik und Krankheitsverlauf Sonographie und MRT zum Einsatz. Zur konservativen Therapie werden eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen angewendet: Trainingsmodifikation (Intensitätsanpassung, Reduktion der Belastungspitzen, Beachtung und ggf. Extendierung der Rekonvaleszenzzeiten, Kraftausdauertraining vs. Schnellkrafttraining), individuelle Einlagenversorgung, Physiotherapie mit Manueller Therapie, Massagen, Koordinations- und Stabilisationstraining, exzentrische Muskelfunktionstraining, Dehnung, propriozeptives Training, Ultraschall-, Iontophorese-, Laserbehandlungen, Magnetfeldtherapie, Stoßwelle, Kryotherapie, Akupunktur. Medikamentös: Wenn überhaupt nur kurzzeitig NSAR und/oder Bromelain. Außerdem K-Tape/Bandagen, lokale und/oder segmentale Infiltrationsbehandlungen, Röntgen-Reizbestrahlung (Strahlentherapie), als Ultima Ratio operative Intervention. Isokinetische Testung zur Behandlungsverlaufs- und erfolgskontrolle.

3. Zur Prophylaxe des Jumper’s Knee werden zur Behebung von Fehlstatik und hieraus resultierenden unphysiologischen Belastungsspitzen eine individuelle Einlagen- und Schuhversorgung durchgeführt. Zusätzlich erfolgt durch ein sportartspezifisches physiotherapeutisches Trainings- und Dehnungsprogramm der Ausgleich muskulärer Dysbalancen, ein gezielter Muskelaufbau bei gleichzeitiger lokaler und segmentaler Detonisierung. Additiv wird auf die Einhaltung der Regenerationszeiten und die Wahl des Bodenbelages der Halle geachtet sowie die Trainingszeiten und -Belastungsintensitäten (auch beim Krafttraining) berücksichtigt.

Dr. med. Florian Langhoff, MHP Riesen Ludwigsburg

1. Wir sehen zahlenmäßig am häufigsten Prellungen und Kontusionen, dann sportartspezifisch natürlich auch regelmäßig OSG Distorsionen – zum Glück aber häufig ohne großen strukturellen Schaden. Außerdem kommt es öfter zu Blockierungen von Facettengelenken oder des ISG, zudem gerade bei intensiven Spielphasen auch zu nicht-strukturellen Muskelläsionen, selten zu strukturellen Muskelläsionen.

2. Also unsere körperliche Untersuchung startet in solch einem Fall mit einer lokalen Untersuchung des Kniegelenkes, speziell mit Überprüfung der Patellazentrierung, Kraftverhältnis Extensoren/Flexoren, Dehnungsfähigkeit Quadriceps (Ferse-Po-Abstand in Bauchlage im Seitenvergleich), Tonus Tractus iliotibialis. Im Sinne der Funktionsketten schauen wir dann noch nach dem Sprunggelenk, der Beckenstellung/Hüftmobilität und der ISG Mobilität. Unsere Diagnostik umfasst primär Röntgenaufnahmen und Sonografie, nach Möglichkeit mit Powerdoppler. Wenn bereits sichtbare entzündliche oder degenerative Veränderungen vorhanden sind, machen wir noch ein MRT. Die Therapie gestalten wir je nach Ergebnissen der Untersuchung und Diagnostik. Akut starten wir zunächst mit NSAR systemisch und lokal appliziert, dazu natürlich Physiotherapie (Dehnung, Kräftigung, Beinachsenstabilisierung, Detonisierung Tractus). Zur Schmerzreduktion unter Belastung verschreiben wir anfangs Orthesen (z. B. Kasseler Bandage) und führen ggf. paratendinöse Infiltrationen mit Meaverin, Traumeel, Hyaluron oder PRP durch. Chronische Veränderungen behandeln wir auch mit ESWT. Ins Training wird eine regelmäßige exzentrische Belastung eingebaut. Operative Optionen kommen nur in Frage, wenn entsprechende Befunde erhoben wurden große intratendinöse Verkalkungen, Osteophyten etc. Diese werden letztlich aber erst nach positivem Ausschalttest und frustranem Verlauf aller konservativen Maßnahmen durchgeführt.

3. Unser Athletikcoach und die Physiotherapeuten achten auf eine regelmäßige Dehnung und Detonisierung der beanspruchten Muskeln, v. a. Quadriceps und ischiocrurale Muskulatur. Zur Regeneration gehören natürlich auch Eisbad, aktives Stretching, Foamrolling sowie physiotherapeutische Behandlungen. Außerdem setzen wir ein Regenerationsgetränk zu den Spielen ein. Trotz aller Empfehlungen kommt die Regeneration bei einem vollen Spielplan der BBL und Championsleague dennoch immer etwas zu kurz.

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