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Behandlung von Fehlsichtigkeiten

Operative Möglichkeiten bei Sportlern und Patienten

Gerade im Bereich der refraktiven ­(brechkraftverändernden) Chirurgie werden die Behandelnden mit vielen Wünschen der Sportler zur Verbesserung der Sehleistung ohne Brille bzw. Kontaktlinsen konfrontiert. Um den Sportler bestmöglich über die bei seiner Fehlsichtigkeit zu erwartenden Aussichten und möglichen Risiken einer Operation informieren zu können, ist eine gründliche Anamnese (Sportarten, Zeitplan) und Voruntersuchung notwendig.

Erst wenn Brille oder Kontaktlinsen nicht infrage kommen, sollte über einen operativen Eingriff zur Korrektur der Fehlsichtigkeit nachgedacht werden [6].

LASIK

Das am häufigsten angewandte Verfahren ist die (Femto)LASIK. Mit ihr können Myopien bis –8 dpt und Hyperopien bis +3 dpt sowie Astigmatismen bis 5 dpt korrigiert werden. Nach dem Hornhautschnitt, der Behandlung mit dem Excimerlaser und dem Zurückklappen, schließt sich der verbliebene Wundspalt an der Oberfläche. Ein Verrutschen des Flaps kann jetzt nur noch durch stärkere Scherkräfte eintreten. Aus augenärztlicher Sicht ist es empfehlenswert, die LASIK nicht bei Kontaktsportarten wie z. B. Boxen, Karate, Judo, Ringen oder auch Handball durchzuführen [7]. Postoperativ kann mit leichten sportlichen Übungen (im mittleren Herzfrequenzbereich, Koordinationsübungen etc.) am 2. postoperativen Tag begonnen werden. Sportarten, die Reizungen hervorrufen können, wie z. B. Schwimmen oder Sport in sehr trockener Luft (Hallen!) sollten mindestens eine Woche vermieden werden. Nach dem Absetzen der entzündungshemmenden Therapie ist die Gabe von Tränenersatzmitteln auch in Abhängigkeit von der ausgeübten Sportart über Wochen und unter Umständen Monate notwendig und empfehlenswert [2]. Mit dem neu zugelassenen SMILE Verfahren ist jetzt ein Eingriff möglich, bei dem durch das nur noch schmale Fenster der mittels Femtolaser hergestellte Flap entfernt werden kann. Dadurch ist eine deutliche höhere Stabilität der Hornhaut zu erwarten. Der Vorteil der LASIK besteht darin, dass es neben der Schmerzfreiheit zu einer wesentlich schnelleren Erholung der Sehleistung und sportlichen Betätigung nach dem Eingriff kommt [5,6,7].

PRK

Mit der PRK (oberflächliches Verfahren) können Myopien bis –6 dpt und Hyperopien bis +3 dpt sowie der Astigmatismus bis 3 Dioptrien behandelt werden. Im Gegensatz zur LASIK wird bei diesen Verfahren die Hornhaut nicht geschnitten, sondern an der Oberfläche des Auges nach dem Entfernen der schützenden oberflächlichen Schicht (Epithel) mit dem gleichen Excimerlaser und dem gleichen Abtragungsmodus wie bei der LASIK die Fehlsichtigkeit dauerhaft korrigiert [7]. Da bei diesen Verfahren kein Schnitt entsteht, der bei äußerer Gewalt zu einer Verschiebung des Flaps führen kann, können die oberflächlichen Methoden uneingeschränkt für alle Sportarten empfohlen werden. In den ersten 1 – 2 Wochen sollte postoperativ alles vermieden werden, was zu Infektionen oder Reizungen des Auges führen kann. Hier sind besonders zu nennen: Schwimmen, Schweiß oder Fremdkörper, die z. B. beim Fahrradfahren in das Auge kommen können. Leichte sportliche Aktivitäten, z. B. mit Fahrradergometer im mittleren Herzfrequenzbereich, Koordinationsübungen oder Rehaprogramme können nach Wundschluss des Epithels, in der Regel am 3. postoperativen Tag, wieder durchgeführt werden. Aufgrund der Neuorganisation der (Kollagen-) Fasern des Epithels in den sechs Monaten postoperativ und möglicher Narbenbildung durch UV-Strahlung, sollte in dieser Zeit auf guten UV Schutz geachtet werden, besonders bei Sportarten mit hoher UV-Belastung (z. B. Segeln, Skifahren, Fahrradfahren, Tennis). Nachteilig sind bei diesem Eingriff die längere Heilungsphase und damit verbunden auch die später erfolgende Einstellung der neuen Sehschärfe. Die 6-Monats-Ergebnisse und die Höhe der Risiken (1 – 3 %) sind bei allen genannten Behandlungsmethoden in etwa gleich. Der Vorteil der LASIK besteht darin, dass es neben der Schmerzfreiheit zu einer wesentlich schnelleren Visusrehabilitation nach dem Eingriff kommt [2,6].

Intraokulare Eingriffe

Neben diesen Eingriffen gibt es bei höheren Fehlsichtigkeiten oder nicht ausreichender Horn­hautdicke die Möglichkeiten der Implantation zusätzlicher Linsen oder den Tausch der klaren eigenen mit einer künstlichen Linse (CLE) [3,7]. In den ersten vier Wochen nach einem intraokularen Eingriff muss auf Erschütterungen (Laufen, Reiten), Sprünge, abrupte Bewegungen und ähnliches verzichtet werden. Leichte Übungen aus dem gymnastischen oder koordinativen Bereich können relativ schnell nach der Operation wieder aufgenommen werden. Das ist insbesondere auch für ältere Patienten wichtig. Solange entzündungshemmende Augentropfen genommen werden, sollten Schwim­mbad- und Saunabesuche nicht stattfinden. Da zusätzlich implantierte Linsen (VKL; Verisyse) nicht festwachsen, sollte danach auf Übungen und Sportarten mit großen Druckschwankungen und Erschütterungen (Boxen, Karate, Reiten etc.) zum Schutz des Hornhautendothels verzichtet werden [2,6].

Ablauf und Kosten

Mit den Sportlern muss schon im Vorfeld das Behandlungsschema besprochen und eine Notfall-­Telefonnummer mitgegeben werden. Auch die Wahl des Zeitpunktes für diese planbaren Eingriffe kann abgestimmt werden, nach der Saison, in einer Rehaphase; aber nicht unmittelbar vor der neuen Saison. Dies sollte nur die Ausnahme sein! In der postoperativen Behandlung werden in der Regel cortisonhaltige Augentropfen gegeben. Diese sind bei Sportlern lt. aktueller Bestimmungen der nationalen Doping Agentur (NADA) meldepflichtig. Dringend zu empfehlen ist aus diesem Grunde, die persönliche Kontaktaufnahme und Information des betreuenden Arztes. Die refraktiven Eingriffe sind keine Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die privaten Krankenkassen zahlen in unterschiedlicher Höhe nach Einzelfallprüfung. Die Kosten belaufen sich zum heutigen Zeitpunkt auf ungefähr 1.000 bis 2.300 Euro pro Eingriff.

Fazit

Mit Hilfe der modernen Verfahren der refraktiven Chirurgie können heute fast alle Fehlsichtigkeiten mit guten bis sehr guten Erfolgsaussichten behandelt werden. Das Risiko liegt mit 1 % in der Höhe anderer augenärztlicher Operationen [1,4]. Die PRK (LASEK, Epi-­LASIK) und das SMILE Verfahren sind die Operationen, die bei allen Sportarten empfohlen werden können. Die (Femto) LASIK ist bei Kontaktsportarten (Boxen, Karate und ähnliche Sportarten, u.U. Handball) nicht empfehlenswert, bedeutet aber keine Einschränkung für andere Sportarten. Intraokulare Linsen als Linsentausch sind für alle Sportarten nach dem Festwachsen der Linse möglich. Zusätz­liche Linsen, die in der Regel eine Beweglichkeit haben und nicht „festwachsen“, schränken die durchzuführenden Sportarten deutlich ein. So sollte auf alle Kontaktsportarten wie auch Extremsportarten (Bungee-Sprung) verzichtet werden [2,6]. Die besprochenen Verfahren, deren Anwendungsgebiete und Risiken werden durch die Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) beurteilt und ständig aktualisiert (www.augeninfo.de/krc) [7].

 

Eine Literaturliste können Sie unter info@thesportgroup.de anfordern.

Foto: © istockphoto.com, stock_colors

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Der Autor

Dr. med. Thomas Katlun ist seit 1989 in der Augenheilkunde tätig und arbeitet seit 2006 in eigener Praxis in Heidelberg. Neben den augenärztlichen Standarduntersuchungen gilt das Interesse besonders den Excimerlaserbehandlungen (seit 1995) und der Sportaugenheilkunde, um für die Sportler eine gute Verbindung zwischen dem Sehen und dem Sport zu ermöglichen. In der Praxis werden neben vielen Freizeitsportlern auch Profis aus verschiedenen Sportarten (OSP Heidelberg, 1899 Hoffenheim, Rhein-Neckar-Löwen u. a.) betreut.

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