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Ergänzung zum Artikel

Ernährung bei Sportverletzungen

Von Prof. Dr. Georg Abel, sportärztezeitung 01-2016

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Weitere Nährstoffe und Supplemente/Supplementierungsmöglichkeiten

Neben den zuvor genannten Aspekten, gibt es eine Reihe weiterer Nährstoffe, deren Zufuhr bei Verletzungen oder zur Prävention und Unterstützung von Regenerationsprozessen im Training theoretischen Überlegungen zufolge sinnvoll sein könnte. Im Folgenden werden ausgewählte Maßnahmen kurz erläutert.

Kreatin
Kreatin wird im Allgemeinen zur Förderung des Muskelmasseaufbaus oder zur Steigerung der Leistungsfähigkeit bei hochintensivem Training von Sportlern eingesetzt (Becque et al., 2000; Tipton, 2015; Wall et al., 2014). Darüber hinaus konnten neuromuskulären Störungen entgegenwirkende Effekte durch Kreatin beobachtet werden (Tarnopolsky, 2007). Die Daten hinsichtlich einer muskelschützenden Wirkung durch die Einnahme von Kreatin sind nicht eindeutig. So führte einerseits weder eine zweiwöchige Supplementierung mit Kreatin zu vermindertem Muskelmasseverlust, noch konnte die Muskelkraft nach dem Einsatz einer Knieendoprothese durch zusätzliche Kreatineinnahme gesteigert werden (Hespel et al., 2001; Roy et al., 2005). Andererseits milderte eine Supplementierung mit 20g Kreatin täglich eine Muskelatrophie bei 7-tägiger Immobilisierung des Oberarms (Johnsten et al., 2009). Der genaue Wirkmechanismus ist in diesem Zusammenhang noch nicht aufgeklärt, möglicherweise reagiert das Muskelgewebe an Arm und Bein unterschiedlich auf die Einnahme von Kreatin. Eijnde et al. (2001) zeigten zudem, dass bei Immobilisierung eine Kreatinsupplementierung einen abnehmenden GLUT4-Gehalt im Muskelgewebe vermindert und diesen während der Rehabilitation erhöhen kann.
Insgesamt ist die Datenlage hinsichtlich positiver Effekte einer Kreatineinnahme bei Verletzungen und Immobilisierung zur Abschwächung der Muskelatrophie zwar noch nicht eindeutig, doch stellt sie einen vielversprechenden Ansatz dar. Dosierungsempfehlungen liegen hier bei 10g Kreatin pro Tag für 2-3 Wochen und im Anschluss bei 2-5g täglich (Wall et al., 2014; Jeukendrup, 2015).      

Rote Beete
Aufgrund des hohen Nitratgehalts und vasodilatatorischer Effekte wurde die Einnahme von Rote Beete Saft zur Leistungssteigerung bei Sportlern und im Zusammenhang mit Bluthochdruck in den letzten Jahren vielfach diskutiert. Demnach zeigt die Einnahme von Nitrat oder dessen Vorstufen (Arginin) entweder keine oder eine leicht leistungssteigernde Wirkung, insbesondere bei trainierten Athleten (Poortmann et al., 2015). Aufgrund des hohen Gehalts an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen mit antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften, könnte die Zufuhr von Roter Beete mit weiteren positiven Effekten für den verletzten Sportler verbunden sein. Clifford et al. (2015) konnten bei 30 Versuchspersonen nach muskelschädigender exzentrischer Belastung durch die Zufuhr von 3 Portionen Rote Beete Saft (jeweils 125 oder 250ml) am Tag der Belastung, 2 Portionen 24 Stunden und 2 Portionen 48 Stunden nach der Belastung abgeschwächten Muskelkater/Muskelschmerzen und geringere Leistungseinbußen bei Counter Movement Jumps feststellen. Damit könnte die Einnahme von Rote Beete Saft zur Unterstützung von Regenerationsprozessen nach sportlicher Belastung sinnvoll sein. Entzündungsparameter im Blut wie Creatinkinase, Interleukin-6, TNF-α und Interleukin-8 blieben in der Untersuchung von Clifford et al. (2015) unbeeinflusst von der Rote Beete Saft Zufuhr, sodass zur Aufklärung des Wirkmechanismus noch weitere Untersuchungen benötigt werden.   

Curcumin
Der natürliche Farb- und Aromastoff Curcumin (in besonders hohen Konzentrationen in der Gelbwurzel enthalten, Verwendung auch als Gewürz und Bestandteil von Currypulver) besitzt antioxidative und antiinflammatorische Eigenschaften. Curcumin kann die Aktivierung von NF-κB und die Expression des proinflammatorischen Enzyms Cyclooxygenase 2 (COX2) unterdrücken und antioxidative Prozesse durch Aktivierung des Transkriptionsfaktors Nrf2 fördern. Daher könnte Curcumin eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, um Muskelmasseverlust zu mindern und muskuläre Regeneration zu fördern. Die Einnahme von Curcumin sollte idealerweise immer in Kombination mit schwarzem Pfeffer erfolgen, um die ansonsten eher schlechte Absorption zu verbessern. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung von mittlerweile kommerziell erhältlichen Curcumin-Lecithin-Darreichungsformen, die die Bioverfügbarkeit erhöhen sollen. Drobnic et al. (2014) konnten bei einer täglichen Einnahme von 2 x 1g, entsprechend 200mg Curcumin, 48 Stunden vor bis 24 Stunden nach exzentrischer Belastung neben geringerem Muskelschmerz, tendenziell verminderte Entzündungsmarker und signifikant geringere Interleukin-8-Werte 2 Stunden nach der Belastung messen.      

HMB
Ähnlich wie Leuzin selbst,s tellt auch ihr Stoffwechselprodukt β-Hydroxy-β-Methylbutyrat (HMB) eine weitere Option zur Unterstützung der Muskelproteinsynthese und Vermeidung des Muskelproteinabbaus dar (Wilkinson et al., 2013). Nach Deutz et al. (2013) zeigte die Einnahme von 1,5g HMB täglich muskelmasseschützende Effekte bei älteren bettlägerigen Personen.
Zudem führte nach Williams et al. (2002) die 14-tägige Kombi-Einnahme von zweimal täglich jeweils 1,5g HMB, 7g Arginin und 7g Glutamin nach 14 Tagen zu einer gesteigerten Kollagensynthese bei älteren Personen. Inwieweit auch verletzte Athleten von einer zusätzlichen Einnahme von HMB (insbesondere bei leuzinreicher Ernährung) oder Nährstoffkombinationen profitieren können bedarf weiterer Untersuchungen. Nach Wall et al. (2014) kann eine tägliche Einnahme von 3g HMB in Erwägung gezogen werden.

Außer den bereits erwähnten potentiellen Ernährungsmaßnahmen bei Verletzungen, bestehen weiterhin Zusammenhänge zwischen Mikronährstoffen wie Vitamin A, Vitamin C und Zink und der Wundheilung und Genesung nach Verletzungen. Vitamin C beispielsweise steht in engem Zusammenhang mit der Hydroxyprolinsynthese und ist essentiell für die Kollagensynthese und damit bedeutend für Regeneration und Heilung von Sehnen und Bändern. Jeukendrup (2015) beschreibt nach Keith (2015), dass neben einem Rehabilitationstraining die Einnahme von 5g Gelatine und 500mg Vitamin C 30-60 Minuten vor dem Training zu einer vermehrten Kollagenbildung, insbesondere nach einem Sehnen- oder Bänderriss führt. Berhardi (o.J.) empfiehlt sogar eine Einnahme von 1-2g Vitamin C am Tag.
Hilfreich und den Heilungs- und Rehabilitationsprozess unterstützend könnte eine zusätzliche Einnahme von 10000 i.E. Vitamin A innerhalb der ersten zwei Wochen hinsichtlich der Regulation erster Entzündungsprozesse und der Kollagensynthese sein (Berhardi, o.J.). Um eine potentielle Vitamin A Überdosierung zu vermeiden sollte die Supplementierung nach 2 Wochen abgebrochen werden.
Zink spielt eine wichtige Rolle hinsichtlich DNA-Synthese, Zellteilung und Proteinsynthese. Besonders zu Beginn des Wundheilungsprozesses kann die tägliche Einnahme von 15-30mg Zink die Wundheilung fördern (Berhardi, o.J.).   

Zusammenfassend lassen sich folgende praktische Handlungsableitungen für Ernährungsmaßnahmen bei Verletzungen neben einem entsprechenden Rehabilitationstraining festhalten:

•    Vermeidung von Energie- und Nährstoffdefiziten
•    Die tägliche Proteinzufuhr sollte zwischen 1,6-2,5g/kg KG/Tag liegen. Dazu sollten 4-6 Mahlzeiten mit jeweils 20-40g schnell verdaubarem Protein und hohem Leuzingehalt (2,5-3g) gleichmäßig über den Tag verteilt aufgenommen werden
•    Zufuhr der Fettqualität beachten, Erhöhung der Zufuhr einfach ungesättigter Fettsäuren sowie, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren im Verhältnis von 3:1 bis 1:1 aufnehmen
•    Ausgewogene, bedarfsangepasste Kohlenhydratzufuhr
•    Empfehlungen zur Obst und Gemüsezufuhr berücksichtigen: Mit einer abwechslungsreichen Auswahl von 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag, in möglichst vielen verschiedenen Farben, wird die Versorgung mit Mikronährstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen optimiert
•    Alkoholzufuhr minimieren/vermeiden
•    Mögliche Supplementierungen:
    o    4g Fischöl/Tag in Woche 0-8, 10g
    o    Kreatin/Tag für 2-3 Wochen, anschließend 2-5g/Tag,
    o    2xtäglich 1,5g HMB (+7g Arginin, 7g Glutamin), bei Sehnen- und Bänderverletzungen 5g Gelatine + 500mg Vitamin C 30-60  Minuten vor dem Rehabilitationstraining